Bezirksversammlung Wandsbek

Auszug - Waldrodung Schmalenremen/Duvenwischen  

 
 
Sitzung des Regionalausschusses Walddörfer
TOP: Ö 3
Gremium: Regionalausschuss Walddörfer Beschlussart: (offen)
Datum: Do, 16.11.2017 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 20:05 Anlass: Sitzung
Raum: Gymnasium Ohlstedt - Aula
Ort: Sthamerstraße 55, 22397 Hamburg
 
Protokoll
Beschluss
Abstimmungsergebnis

Frau Quast begrüßt Herrn Quermann von der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI).

 

Herr Quermann stellt kurz seine dienstliche Tätigkeit dar und erläutert anschließend anhand einer Präsentation die geplante Maßnahme am Schmalenremen/Duvenwischen. Es gehe dabei korrekter Weise um einen Kahlschlag und nicht um eine Rodung.

 

Frau Niendorf entschuldigt sich im Namen des Bezirksamtsleiters für die falsche Betitelung.

 

Herr Quermann zeigt Verständnis für die falsche Betitelung und erläutert die verschiedenen Begrifflichkeiten, wie folgt:

-          Eine Rodung stelle eine Entfernung von Waldbäumen meist einschließlich der Wurzeln mit dem Ziel der dauerhaften Umwandlung in eine andere Nutzungsart dar. Die Waldeigenschaft der entsprechenden Fläche gehe dabei verloren.

-          Ein Kahlhieb oder ein Kahlschlag sei eine forstwirtschaftliche Maßnahme durch flächige Räumung des aufstockenden Bestandes, verbunden mit einem waldbaulichen Ziel.

 

Die Fläche bleibe daher auch ohne aktuellen Baumbestand Wald im Sinne der Waldgesetze.

 

Beispiel für eine Rodung sei der Volksdorfer Kreisels, bei dem in der Vergangenheit Bäume gefällt wurden, um eine Straße zu bauen. Diese gerodete Fläche sei planrechtlich jetzt nicht mehr Wald sondern beispielsweise Verkehrsfläche. Beide Formen des Waldeingriffes unterliegen dem Genehmigungsvorbehalt der Fachbehörde.

 

Herr Quermann erläutert schließlich die Lage der Fläche zwischen der Wohnbebauung, der Kleingartensiedlung und den Straßen Schmalenremen/Duvenwischen anhand einer Präsentation (siehe Anlage). Diese Fläche wurde von einem von der BWVI beauftragten Gutachter r die Erstellung des Waldfunktionenplans Hamburg untersucht. Nach seiner gutachterlichen Einschätzung bestehe der Bestand aus 70 Prozent Buche, sowie einem Anteil von Birke und einigen anderen Baumarten. Der Hauptbestand sei etwa 30 m hoch. Der Gutachter habe darüber hinaus die Fläche in seine höchste Kategorie der Verkehrssicherungsgefährdung eingestuft.

Der Eigentümer habe dann im Laufe des letzten Jahres aus verkehrssicherungstechnischen Gründen selbst einen Baumsachverständigen beauftragt. Dieser Gutachter habe nun mehrmals jeden einzelnen Baum untersucht. Er sei dabei zu der Erkenntnis gekommen, dass 70 Prozent der Bäume unmittelbare Gefahren aufwiesen. Begründet rden diese Gefahren durch kranke und ungünstig gewachsene Bäume, die verkehrsgefährdend seien. Der Gutachter empfahl daher, zur unmittelbaren Gefahrenabwehr einen Kahlschlag durchzuführen.

Die BWVI, der Eigentümer, der Gutachter und der Revierförster der Revierförsterei Volksdorf waren am 28.11.2016 vor Ort, um gemeinsam glichkeiten zu finden den Eingriff möglichst gering zu halten.

Der Eigentümer habe letztendlich einen Antrag auf Kahlhieb gestellt, der am 14.02.2017 durch die BWVI genehmigt wurde. Der Kahlhieb sei genehmigt worden, da die sehr ungünstige Lage zu den bebauten Flächen und die sehr schmale Ausgestaltung des Flurstückes keine andere Möglichkeit einer systematischen und nachhaltigen Beseitigung der verkehrsgefährdenden Bäume einschließlich der sich aus den Fällungen ergebenden Folgewirkungen zulasse. Im Oktober 2017 wurde dann ein artenschutzrechtliches Gutachten in Auftrag gegeben. Die Behörde für Umwelt und Energie (BUE) habe dieses Gutachten geprüft und daraufhin eine artenschutzrechtliche Unbedenklichkeit ausgesprochen.

 

Herr Quermann betont abschließend zum Vortrag, dass die Waldeigenschaft erhalten bleibe. Auch wenn auf Grund der zunehmenden Bebauung häufig der Wald zurück gedrängt werde, sei hier auf Grund der Kahlschlagsgenehmigung keine Bebauung möglich.

 

Herr Quermann beantwortet schließlich alle Fragen der Ausschussmitglieder und erläutert dabei unter anderem folgende Punkte:

-          Es sei Entscheidung des Eigentümers, ob er die Fläche aktiv wieder aufforsten oder die Sukzession abwarten wolle, da grundsätzlich junge ume vorhanden seien. Es wurde dem Eigentümer jedoch empfohlen Sträucher oder Bäume, die nicht so hoch werden, zu den bebauten Flächen hin nachzupflanzen.

-          Gesetzlich sei der Eigentümer verpflichtet, die Fläche wieder in einer angemessenen Zeit aufzuforsten oder zu ergänzen, wenn sich ein entsprechender Baumbestand nicht etablieren würde.

-          Kahlschlagsgenehmigungen ren sehr selten.

-          Der aktuelle Zustand der Fläche re vermutlich auf folgende Faktoren zurückzuführen:

  • es handle sich nicht um eine durchgehend bestockte Waldfläche,
  • eine geordnete, fachgerechte Anpflanzung habe nicht stattgefunden,
  • die durchgewachsene Fläche habe zwischenzeitlich außerdem den Eigentümer gewechselt, weshalb dem jetzigen Eigentümer nicht die Fehler der vergangenen Jahrzehnte bei der Waldpflege zur Last legen könnten

-          Die flächig notwendigen Verkehrssicherungsmaßnahmen ließen sich zum Beispiel durch das Absägen überhängender Baumteile nicht einfach sen, da dies unter anderem eine Pilzbildung fördere. Die verkehrssicherungstechnische Beurteilung von Einzelbäumen, außerhalb eines Waldes, auf einem Privatgrundstück sei anders zu bewerten.

-          Im Staatswald rden die verkehrsgefährdenden Außenbereiche je nach Gefährdungslage von geschultem Personal der Revierförstereien kontrolliert, im Wald selbst jedoch nur dort, wo Wald atypische Gefahren bestünden. Waldflächen mit einem ungünstigen Flächenzuschnitt wie im Fall Schmalenremen/ Duvenwischen seien in Volksdorf öfters vorhanden.

-          Bei Eingriffen in den Wald durch Rodung oder Umwandlung und der damit verbundenen Nutzungsänderung werde regelhaft ein flächenhafter Ausgleich gefordert. Dabei sei es immer schwieriger geworden, geeignete Ersatzflächen zu finden. Der Ausgleich finde in der Regel mit einem Faktor von mindestens 1:1 bis maximal 1:3 statt.

-          r die Fläche am Schmalenremen/Duvenwichen lehne die BWVI eine Waldumwandlung ab. Es ren keine baulichen Planungen bekannt.

-          Die Verkehrssicherung sei ein sensibles Thema, weshalb der Eigentümer in der Pflicht stehe und dementsprechend nicht abwarten könne. Bäume könnten außerdem auch unabhängig vom Sturm Äste abwerfen: bei bestimmten Baumarten ren Astbrüche im Sommer bei Windstille und ohne erkennbare Vorschädigung bekannt. Die BWVI sehe unter den geschilderten Rahmenbedingungen ein berechtigtes Interesse des Privatwaldbesitzers auf Erteilung einer Kahlschlagsgenehmigung. Er habe die derzeitige Gefährdungssituation vorgefunden und sei in seinen Reaktionsmöglichkeiten fachlich sehr eingeschränkt. Eine einzelbaumweise Beseitigung der Gefahrenlage sei ihm nicht zuzumuten.

-          Die waldrechtliche Kahlschlagsgenehmigung sei keine konzentrierte Genehmigung, wie sie im Planrecht bestehe. Die Genehmigung erfolge unabhängig von anderen Genehmigungen. Eine artenschutzrechtliche Prüfung habe durch die BUE stattgefunden, weshalb die entsprechende Genehmigung von dort erteilt wurde.

-          Der Eigentümer wurde darauf hingewiesen, dass vor Ort ggf. Widerstand durch die Bevölkerung zu erwarten sei. Die BWVI selbst werde hier jedoch keine Aufklärungsarbeit leisten, da der Eigentümer auf Grund des privatrechtlichen Handelns selbst dafür verantwortlich sei.

-          Eine Umwidmung dieser Fläche sei nur durch die Änderung des Bebauungsplans möglich.

 

Frau Quast bedankt sich für den Vortrag und stellt fest, dass offensichtlich keine große Handlungsmöglichkeit bestehe.

 

Frau Dr. Martin formuliert einen Spontanantrag.

 

 

Protokoll-Ergänzung auf Bitte von Frau Dr. Martin (nicht-öffentlich).

 


 

 


Abstimmungsergebnis:

Der Regionalausschuss Walddörfer beschließt einstimmig folgenden Spontanantrag:

 

Die zuständige Behörde wird gebeten dem Ausschuss für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz sowohl das Vorabgutachten als auch das vollständige, artenschutzrechtliche Gutachten zukommen zu lassen.