Bezirksversammlung Wandsbek

Auszug - Regionale Versorgung und Mittelstand stärken - Wochenmärkte weiterentwickeln Debattenantrag der CDU-Fraktion  

 
 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek
TOP: Ö 4.2
Gremium: Bezirksversammlung Wandsbek Beschlussart: geändert beschlossen
Datum: Do, 07.11.2019 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 21:30 Anlass: Sitzung
Raum: Bürgersaal Wandsbek
Ort: Am Alten Posthaus 4, 22041 Hamburg
21-0523 Regionale Versorgung und Mittelstand stärken - Wochenmärkte weiterentwickeln
Debattenantrag der CDU-Fraktion
   
 
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Federführend:Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt Beteiligt:Interner Service
 
Protokoll
Beschluss
Abstimmungsergebnis

Herr Niehaus begrüßt das Thema der Wochenmärkte, da diese die Stadtteile aufgrund der frischen und regionalen Produkte bereichern. Deshalb sei es wichtig, auf den Zustand der Märkte zu achten. Auffällig sei die seit Jahren zurückgehende Zahl an Kundinnen und Kunden. Eine Ursache seien die scheinbar hohen Preise. Diesennen nur indirekt geändert werden, wie beispielsweise durch gleichbleibende Wochenmarktgebühren

Herr Niehaus verweist zudem auf das veränderte Einkaufsverhalten der Bürgerinnen und Bürger, welche zunehmend am Abend einkaufen gehen würden. Anhand des Pilotprojektes des Volksdorfer Wochenmarktes solle dort, nach dessen Sanierung, die Verlängerungen der Öffnungszeiten getestet werden. Er stellt einen Vergleich zu dem St. Pauli Nachtmarkt her.

 

Frau Wolff berichtet von dem Engagement der FDP zu den Wochenmärkten und erinnert an die Kleine Anfrage zu diesem Thema.

Sie erläutert, dass im Antrag die Bürgerinteressen nicht berücksichtigt werden und weist auf die gestartete Internetumfrage bzgl. der Wochenmärkte hin.

Frau Wolff gibt einen Einblick in die bereits erhobenen Ergebnisse. Dieser zeige, dass die Bürgerinnen und Bürger ein starkes Interesse an den Märkten haben. Verbessert werden könnte u.a. die Parkplatzsituation vor Ort. Einen großen Vorteil sehen die Kundinnen und Kunden in der Möglichkeit, unverpackt einkaufen zu können.

Sie appelliert, dass es wichtig sei, keine Wochenmärkte zu schließen und das Interesse der Bürgerinnen und Bürger zu beachten.

 

Herr Nack unterstützt den Antrag und schlägt eine Ergänzung des Petitums zur Option des unverpackten Einkaufens und der Möglichkeit des sozialen Treffpunktes vor.
 

Herr Schneider betont, dass die Wandsbeker Wochenmärkte eine wichtige Funktion in der Nahversorgung in den Stadtteilen darstelle. Wichtig sei eine Unterstützung der Marktbeschicker und der Kundinnen und Kunden.

Er erwähnt, dass diese Branche mit Hürden verbunden sei. Dazu gehören sowohl die bauliche als finanzielle Problematik, aber auch Nachwuchsprobleme. Die größte Schwierigkeit stelle jedoch die Konkurrenz zu den Discountern und Supermärkte dar, welche nicht nur frische und regionale Produkte anbieten, sondern auch lange geöffnet haben.

Herr Schneider teilt mit, dass Wochenmärkte größtenteils am Wochenende erfolgreich genutzt werden. Seit 2018 sinke allerdings der Kostendeckungsgrad. Erkennbar sei, dass die starken Wochenmärkte die kleineren Märkte mitfinanzieren aufgrund der fehlenden Investitionen sowie Personal- und Sachkosten. Die vom Bezirk vollzogene Gebührenerhöhung erfolgte durch das erhöhte Bereitstellen von Ressourcen durch das Bezirksamt.

Herr Schneider hinterfragt, wie die Wochenmärkte und die Infrastruktur für die Marktbeschicker attraktiver gestaltet werden können.

Er unterstützt den Antrag und schlägt eine Änderung des Petitums vor.

 

Herr Behrens informiert darüber, dass Wochenmärkte, in scheinbar bessergestellten Stadtteilen, einen hohen Kostendeckungsgrad aufweisen.

Wochenmärkte haben einen kulturellen Identifikationsfaktor und tragen zur Wirtschaftsförderung der lokalen Versorgung bei. Ein Grund dafür, dass Produkte aus Supermärkten günstiger seien, sei u.a. die Logistik.

Die Linke unterstützt den Antrag und stimme Frau Wolff zu, dass die Bürgerinteressen berücksichtigt werden müssen. Jedoch müssten auch die Interessen der Marktbeschicker beachtet werden.

Herr Behrenslt den Wochenmarkt Volksdorf als Pilotprojekt ungeeignet, da dieser bereits ohne verlängerte Öffnungszeiten Erfolg aufweise.

Er nennt als Beispiel den bereits vorhandenen abendlichen Wochenmarkt in Bergstedt, welcher durch eine private Initiative gegründet wurde.

 

Frau Häger äert, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen einem klassischem Wochenmarkt mit regionalen Anbietern und Märkten mit beispielsweise exotischen Früchten gebe.

Sie stimme Herrn Schneider zu, dass es schwierig sei, Nachwuchs und Fachpersonal zu finden. Es sei daher generell zu hinterfragen, ob die Verlängerung der Öffnungszeiten der Märkte oder das Einführen von Abendstunden an anderen Tagen sinnvoll re, da hierfür weiteres Personal benötigt werde oder Personal länger im Dienst bleibensse.

Frau Häger weist darauf hin, dass im Zusammenhang mit der geforderten Konzeptentwicklung durch das Bezirksamt/ Fachamt auch eine Prüfung bzw. Erhebung der Kundenwünsche, wie vorgefertigte (warme) Speisen und Getränke als neues Angebot für die Marktkunden und für Berufstätige am Feierabend, vorgenommen werden sollte.

Sie wünsche sich zusätzlich ein Verzicht auf Plastiktüten, denn auch auf den Wochenmärkten sei viel Plastik zu finden.

 

Frau Hoppermann teilt mit, dass der Antrag nicht auf die Errichtung eines Eventmarktes abziele, sondern auf die Kombination der Nachwuchsprobleme und des veränderten Einkaufsverhaltens aufmerksam machen sollte. Die Wochenmärkte sollen vom Vormittag in den Nachmittag verlegt werden, um sich an die Arbeitszeiten der Bürgerinnen und Bürger anzupassen.

Sie weist darauf hin, dass es bereits Umfragen gegeben habe.

 

Nach der Debatte entsteht ein gemeinsam erstellter Sachverhaltstext (zusätzlicher Absatz) sowie ein Beschlusstext der Fraktionen von CDU, SPD und Grüne (zusätzliche Ziffer 2 und 3):

 

Zusätzlicher Absatz im Sachverhalt:

Insbesondere wäre es zur Vermeidung von Verpackungsmüll wünschenswert, mit den Wochenmärkten eine Möglichkeit zu schaffen, in den späten Nachmittags- und Abendstunden Waren unverpackt einkaufen zu können. Bislang gibt es nur wenige Läden, die Waren unverpackt zum Verkauf anbieten. Diese haben regelmäßig keine langen, in die Abendstunden hineinreichenden Öffnungszeiten. Viele Berufstätige können somit unter der Woche nur in Supermärkten mit langen Öffnungszeiten einkaufen, was aber bedeutet, dass sie dort nur verpackte Waren erwerben können. Insofern wäre es auch zur Vermeidung von Verpackungsmüll wünschenswert, wenn man abendliche Wochenmärkte etablieren könnte, die den Einkauf unverpackter Waren ermöglichen. Damit würde man mehr Menschen die Möglichkeit Waren unverpackt einzukaufen näher bringen. 


 

Petitum/Beschluss:

 

  1. Das Bezirksamt wird gebeten, für die Weiterentwicklung der Wochenmärkte gemeinsam mit den Vertretungen der jeweiligen Marktbeschicker und dem Landesverband des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller, Ideen für eine Weiterentwicklung und Attraktivitätssteigerung der Wandsbeker Wochenmärkte insbesondere unter der Woche zu entwickeln und sie dem Ausschuss für Mobilität und Wirtschaft vorzustellen. Dabei soll insbesondere geprüft werden, wie eine Änderung der Marktzeiten in den späteren Nachmittag und Abend hinein sinnvoll möglich ist.
  2. Zusätzlich soll in enger Abstimmung mit den Vertretungen der jeweiligen Marktbeschicker und dem Landesverband des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller geprüft werden, wie auf den Wochenmarktflächen insbesondere auch in den späten Nachmittags- und Abendstunden verstärkt Waren unverpackt angeboten werden können. Hierzu sind auch Gespräche mit entsprechenden Anbietern zu führen.
  3. Die Bezirksversammlung spricht sich dafür aus, in enger Abstimmung mit den Marktbeschickern den Volksdorfer Wochenmarkt nach Sanierung der Fläche als Pilotprojekt über den Zeitraum eines Jahres für die oben genannten Innovationen einzurichten. Zugleich sollen weitere geeignete Standorte identifiziert werden.

 


Abstimmungsergebnis:

 

Die Bezirksversammlung beschließt den geänderten Sachverhalt und das untenstehende geänderte Petitum einstimmig:

 

1. Das Bezirksamt wird gebeten, für die Weiterentwicklung der Wochenmärkte gemeinsam mit den Vertretungen der jeweiligen Marktbeschicker und dem Landesverband des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller, Ideen für eine Weiterentwicklung und Attraktivitätssteigerung der Wandsbeker Wochenmärkte insbesondere unter der Woche zu entwickeln und sie dem Ausschuss für Mobilität und Wirtschaft vorzustellen. Dabei soll insbesondere geprüft werden, wie eine Änderung der Marktzeiten in den späteren Nachmittag und Abend hinein sinnvoll möglich ist.

2. Zusätzlich soll in enger Abstimmung mit den Vertretungen der jeweiligen Marktbeschicker und dem Landesverband des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller geprüft werden, wie auf den Wochenmarktflächen - insbesondere auch in den späten Nachmittags- und Abendstunden verstärkt Waren unverpackt angeboten werden können. Hierzu sind auch Gespräche mit entsprechenden Anbietern zu führen.

3. Die Bezirksversammlung spricht sich dafür aus, in enger Abstimmung mit den Marktbeschickern den Volksdorfer Wochenmarkt nach Sanierung der Fläche als Pilotprojekt über den Zeitraum eines Jahres für die oben genannten Innovationen einzurichten. Zugleich sollen weitere geeignete Standorte identifiziert werden.