Bezirksversammlung Wandsbek

Auszug - Debattenantrag: Die Schimmelmann-Büste muss weg!  

 
 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek
TOP: Ö 5.3
Gremium: Bezirksversammlung Wandsbek Beschlussart: ungeändert beschlossen
Datum: Do, 08.05.2008 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 22:00 Anlass: Sitzung
Raum: Hamburg-Saal, Haus U (1.Stock) im Berufsförderungswerk Farmsen
Ort: August-Krogmann-Straße 52, 22159 Hamburg
18/0159 Debattenantrag:
Die Schimmelmann-Büste muss weg!
   
 
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Federführend:Dezernat Steuerung und Service   
 
Protokoll

Freie und Hansestadt Hamburg

Bezirksamt Wandsbek

Bezirksversammlung

 


 

Auszug aus der Niederschrift

der 3. Sitzung des Gremiums

Bezirksversammlung

am 08.05.2008 im Hamburg

 

 


Tagesordnungspunkt 5.3 : 18/0159

 

!Titel!


Debattenantrag:

Die Schimmelmann-Büste muss weg!


 


 


Herr Schünemann blickt zurück auf die Pressemitteilung des Bezirksamtes im Oktober 2006, in der unter der Überschrift „Die Schlossbewohner kehren zurück“ u.a. auf die Aufstellung dreier Büsten, u.a. die von Graf Schimmelmann im Puvogel-Garten hingewiesen wurde. Der Bezirksamtsleiter Herr Fuchs habe seine Ideen über die Gestaltung des Gartens über ein Public Private Partnership kostengünstig verwirklichen wollen. Die sorgfältige, kritische Recherche über die Person Schimmelmann sei dabei außer Acht gelassen worden. Viele Wandsbeker Bürger wollten diesen Fehler nicht hinnehmen.  Die Bezirksversammlung Wandsbek sei mit dieser Angelegenheit nicht beteiligt worden. Herr Schimmelmann sei ein Plantagenbesitzer gewesen, auf dessen Boden  viele Sklaven eingesetzt worden seien. Er gehörte in dieser Zeit zu den größten Sklavenhändlern weltweit. Zu dem Umgang mit Sklaven zitiert Herr Schünemann aus einem Strafreglement von 1733. In dem Dreieckshandel exportierte Schimmelmann in Europa produzierte Ware wie Baumwollprodukte, Gewehre und Alkohol an die Westküste Afrikas. Dort seien die Waren gegen Sklaven eingetauscht und in diese in die Karibik verbracht worden, wo sie auf Schimmelmanns Plantagen arbeiteten. Die dort gewonnenen Rohstoffe seien dann zurück nach Europa transferiert worden. Diese Produktionskette enthalte im großen Maße  Sklavenhandel und Sklavenarbeit, und dieses sei der wesentliche Bestandteil des Systems und des Erfolges von Graf Schimmelmann gewesen. Die Texttafel neben der Büste gebe nahezu ausschließlich die positiven Auswirkungen zum Wirken der Person Schimmelmann wieder, von einem Beginn einer geschichtskritischen Erinnerungskultur könne man vor Ort nichts spüren.

Herr Schünemann appelliert an die anderen Fraktionen, dem Antrag der SPD zu folgen.               

Herr Schultz erinnert daran, dass Schimmelmann maßgeblich beteiligt gewesen sei an einem der größten Verbrechen der Menschheit, der Verschleppung und den Massenmord an 15 Mio. schwarzer Menschen aus Afrika.  Schimmelmann sei keine Person, die eine Ehrung verdiene. In Wandsbek sei gegen die Aufstellung in vielfältiger Weise protestiert worden, und zum Jahrestag der Büste wurde seitens der Grüne/GAL deren Abbau gefordert. Die bloße Anwesenheit der Büste verletze die Gefühle vieler Menschen, und deshalb müsse die Büste entfernt werden.

Herr Duge  weist auf die Thematisierung der Angelegenheit seitens Grüne/GAL am 06.09.2007 zum Jahrestag der Aufstellung der Büste hin, die entsprechenden Anträge seien aber abgelehnt worden. Grüne/GAL unterstützten den Antrag, und es wäre mehr als zu wünschen, wenn die Büste, die ein Anachronismus unserer Zeit sei, entfernt würde.  Sie habe in der Öffentlichkeit nichts zu suchen, man müsse sich in einer anderen Form mit der Person Schimmelmann auseinandersetzen. 

Herr Dr. Fischer sieht in der Büste auch ein Kunstwerk, der Antrag der SPD sage aber aus, dass die Büste aus dem öffentlichen Raum entfernt werden müsse. Besser sei es, die Büste in einem angemessenen Rahmen zu überführen und auch die kritischen Seiten der Person zu beleuchten. Das könne im Kulturausschuss beraten werden, deshalb werde die Überweisung in einen zukünftigen Kulturausschuss beantragt.

 

Herr Graage weist auf die Verhältnisse der damaligen Zeit hin, in der Sklavenarbeit und Leibeigenschaft das Umfeld geprägt hätten. Man müsse sich weiter mit der Person Schimmelmann beschäftigen. Bei der Büste handele es sich um ein Kunstwerk, das sich differenziert mit dem Gesicht eines Menschen auseinandersetze. Möglich sei es, dieses Kunstwerk in einen Park oder in eine Einrichtung einzubinden, die sich mit der Aufarbeitung mit der Kolonialzeit beschäftige. Die Büste sollte von dieser Stelle abgebaut werden, vorher müsse aber im Kulturausschuss darüber beraten werden, was mit dem Kunstwerk geschehen solle. Sie darf nicht gänzlich entfernt werden, denn man dürfe die damalige Zeit nicht vergessen,  sondern vielmehr müsse diese vergangene Zeit aufgearbeitet werden. Die CDU spreche sich ebenfalls für die Überweisung in den Kulturausschuss aus. Die Büste soll, sobald durch den Kulturausschuss der Verbleib geklärt wurde, abgebaut werden. Der TOP wird in den einzurichtenden Kulturausschuss vertagt.

 

Ergebnis:

Der TOP wurde vertagt, um ihn in einen zukünftigen Kulturausschuss zu überweisen.