Bezirksversammlung Wandsbek

Auszug - Debattenantrag: Entfernung des Schildes \"Johann-Körner-Stieg\"  

 
 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek
TOP: Ö 5.13
Gremium: Bezirksversammlung Wandsbek Beschlussart: ungeändert beschlossen
Datum: Do, 08.05.2008 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 22:00 Anlass: Sitzung
Raum: Hamburg-Saal, Haus U (1.Stock) im Berufsförderungswerk Farmsen
Ort: August-Krogmann-Straße 52, 22159 Hamburg
18/0168 Debattenantrag:
Entfernung des Schildes \"Johann-Körner-Stieg\"
   
 
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Federführend:Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt   
 
Protokoll

Freie und Hansestadt Hamburg

Bezirksamt Wandsbek

Bezirksversammlung

 


 

Auszug aus der Niederschrift

der 3. Sitzung des Gremiums

Bezirksversammlung

am 08.05.2008 im Hamburg

 

 


Tagesordnungspunkt 5.13 : 18/0168

 

!Titel!


Debattenantrag:

Entfernung des Schildes „Johann-Körner-Stieg“


 


 


Herr Duge dankt der Schule, dass das Schild Johann-Körner-Stieg inzwischen wieder entfernt wurde. Man müsse die Verantwortung wider des Vergessenes und Wegsehens ernst nehmen, und es gehe auch um das bewusste oder unbewusste Ausblenden einer Vergangenheit. Johann Körner habe zu einem Personenkreis gehört, der das faschistische Regime aktiv und aus Überzeugung unterstützt habe. Eine Ehrung wie durch Aufstellung einer Wegebezeichnung sei ausgeschlossen, und dieses habe auch der Ortsausschuss Walddörfer einstimmig so bewertet, als die Vereinigung Duvenstedt im Juni 2007 an dieses Gremium herangetreten sei, um den Weg zwischen Trilluper Weg und Duvenstedter Markt nach Johann Körner zu benennen. Unfassbar sei ein Zitat aus dem „Markt“, in welchem  die Mitgliedschaft Johann Körners in der NSDAP zwar eingeräumt wurde, er aber keineswegs als belastetet Nazi anzusehen sei. Ganz anders sei die Entnazifizierungsakte zu lesen, in dem 4 Funktionen von Johann Körner innerhalb des NS- Apparates nachzulesen seien. Die Bezirksversammlung gedenke jedes Jahr im Januar in eindringlicher Form der Opfer des Nationalsozialismus. Johann Körner sei aufgrund seiner nationalsozialistischer Vergangenheit fristlos aus dem Schuldienst entlassen worden, eine Ehrung durch eine Straßenbenennung käme einer Rehabilitierung gleich. Man könne nur glaubwürdig bleiben, wenn in dieser Sache eine eindeutige Stellungnahme abgegeben werde.

Herr Duge legt, da das Schild zwischenzeitlich entfernt worden ist, einen interfraktionellen Vorschlag der CDU und Grüne / GAL zur Beschlussänderung vor:

 

Die Bezirksversammlung lehnt eine Benennung öffentlicher Flächen oder andere Formen der öffentlichen Ehrungen nach Johann Körner aufgrund dessen nationalsozialistischer Vergangenheit ab.

 

Die Bezirksversammlung Wandsbek begrüßt deshalb, dass das am 10. April auf  öffentlichem Grunde errichtete Schild mit der Aufschrift „Johann-Körner-Stieg“ in Duvenstedt diese Woche entfernt wurde.

 

Herr Prof. Dr. Nixdorff   erklärt, bei einer Ehrung über eine Benennung eines Verkehrs-weges müsse das gesamte Lebenswerk der Persönlichkeit herangezogen werden. Johann Körner sei kurz nach der Machtergreifung Mitglied in vier großen NS- Organi-sationen gewesen, davon in zwei als Funktionär. Nach dem Ende des Nationalsozialismus sei er sofort mit einem ungewöhnlich hartem Schreiben mit sofortiger Wirkung aus dem Schuldienst in den Ruhestand versetzt worden. Eine Ehrung sei mit diesem Sachverhalt unerträglich, in Respekt vor den Opfern der NS- Zeit, und deshalb abzulehnen.     

Frau Quast  weist auf vier Gründe hin, weswegen die ganze Angelegenheit sehr unerfreulich sei. Zum einen sei der Antrag schlecht recherchiert, z.B: hinsichtlich der angeblichen Anwesenheit eines Wegewartes und der spürbaren Unterstellung der  Beteiligung mehrerer Behörden. Beteiligt gewesen sei aber nur die Schulleitung. Mit der nationalsozialistischen Vergangenheit sei im Antragstext sehr undifferenziert umgegangen worden. Die Entnazifierungsakte allein reiche nicht aus, die Persönlichkeit Johann Körners zu würdigen. Zeitzeugen hätten von dem Versuch Johann Körners berichtet, ein bißchen Normalität in die schwierigen Zeiten zu bringen, was aber nicht heißen solle, eine Ehrung vorzunehmen. Das Vorgehen der Vereinigung Duvenstedt sei inakzeptabel. In Kenntnis der Aussage des Ortsausschusses habe man an den politischen Gremien vorbei gehandelt. Das Handeln der Schule sei in einer für sie schwierigen Zeit einzuordnen, nach Kenntnis des Sachverhalts habe man das Schild sofort wieder abbauen lassen. Die Ablehnung des Ortsausschusses Walddörfer zu der Straßenbenennung erfolgte undifferenziert, zumal es dort eine Regelung gäbe, grundsätzlich keine Straßen nach Persönlichkeiten zu benennen. Diese Regelung sei sicher zu hinterfragen. Herr Körner hätte die Kriterien nicht erfüllt, und deshalb wäre man dort zu einem echten Ergebnis gekommen. Der Ortsausschuss hätte diese Entscheidung öffentlich machen können oder auch die Bezirksversammlung beteiligen können. Letztlich führe die aktuelle Debatte dazu, dass man sich mit der Persönlichkeit Johann Körners differenzierter auseinandersetze.    

    

Frau Quast beantragt die Überweisung des Antrags in den Regionalausschuss, um sich dort - auch mit der Vereinigung Duvenstedt -  auseinanderzusetzen.

 

 

Ergebnis:

 

Der Antrag auf Überweisung wurde mit den Stimmen von CDU, FDP, Grüne/GAL und Linke gegen die Stimmen von SPD durch die Bezirksversammlung abgelehnt.

 

Der geänderte Antrag wurde bei Enthaltung der SPD einstimmig beschlossen.