Bezirksversammlung Wandsbek

Auszug - Gutachten zur Tourismus- und Naherholungsförderung im Bezirk Wandsbek umsetzen Debattenantrag der CDU- und FDP-Fraktion  

 
 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek
TOP: Ö 5.1
Gremium: Bezirksversammlung Wandsbek Beschlussart: ungeändert beschlossen
Datum: Do, 29.04.2010 Status: öffentlich
Zeit: 18:00 - 21:30 Anlass: Sitzung
Raum: Bürgersaal Wandsbek
Ort: Am Alten Posthaus 4, 22041 Hamburg
18/4126 Gutachten zur Tourismus- und Naherholungsförderung im Bezirk Wandsbek umsetzen
Debattenantrag der CDU- und FDP-Fraktion
   
 
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Federführend:Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt   
 
Protokoll

Freie und Hansestadt Hamburg

Bezirksamt Wandsbek

Bezirksversammlung

 


 

Auszug aus der Niederschrift

der 23. Sitzung des Gremiums

Bezirksversammlung

am 29.04.2010

 

 


Tagesordnungspunkt 5.1 : 18/4126

 

!Titel!


Gutachten zur Tourismus- und Naherholungsförderung im Bezirk Wandsbek umsetzen

Debattenantrag der CDU- und FDP-Fraktion 


 


 


Herr Bruhns erläutert beispielhaft anhand des am letzten Wochenende stattgefundenen Marathons, dass die gesamten sportlichen Großereignisse Hamburgs mit keinem Meter Wandsbeker Boden berühren würden. Unterlagen wie z. B. Kartenmaterial für Touristen würden über den Innenstadtbereich inkl. des Hafens nicht hinausreichen. An weiteren Beispielen macht Herr Bruhns deutlich, dass der Bezirk Wandsbek im touristischen Sinne praktisch gar nicht existiere. Lediglich das Junge Musiktheater Hamburg in der Conventstraße werde als einziger Tipp aufgeführt. Wandsbek verfüge jedoch durchaus über Freizeiteinrichtungen und Sehenswürdigkeiten, die überörtliche Bedeutung hätten, so z. B. der Alsterwanderweg, der Duvenstedter Brook, das Naturschutzgebiet Höltigbaum oder auch das Museumsdorf Volksdorf, welche jedoch nirgends genannt würden. Sportliche Möglichkeiten wie Wandern, Radfahren, Kanufahren oder Reiten böten sich in Wandsbek, jedoch werde nichts davon im touristischen Informationsmaterial über Hamburg genannt. Die Kommunalpolitik in Wandsbek müsse sich fragen, inwieweit etwas geändert werden kann. Herr Bruhns berichtet weiter von der von Mitarbeitern des Bezirksamtes geführten Radtour entlang des Wandsegrünzuges und macht deutlich, dass diese lohnenswerte Strecke von außen kaum wahrgenommen werde und z. T. vertiefte Ortskenntnisse vorhanden sein müssten, um die unausgeschilderte Strecke in ihrer Gesamtheit überblicken zu können. Seit September 2009 läge das Gutachten zur Tourismus- und Naherholungsförderung in Wandsbek vor. Nicht alles aus diesem Gutachten sei neu und z. T. würden auch Defizite im Gutachten erkennbar sein. Dies sollte aber die kommunale Politik nicht davon abhalten, die Dinge anzugehen und mit ersten Schritten zu starten. In den einzelnen Workshops, die im Rahmen der Gutachtenerstellung stattfanden, sei festgestellt worden, dass sich viele Wandsbeker Anbieter untereinander nicht kennen. Eine Angebotsbündelung, die von elementarer Bedeutung sei, konnte von daher bis jetzt nicht entstehen. Zum Teil lägen die Dinge auf der Hand. Wenn z. B. eine Fußballmannschaft ihr Trainingslager in Wandsbek errichte - und dies sei heute bis in die 4. oder 5. Liga üblich - dann benötige man einen Sportplatz und eine Unterkunft. Das sonstige Angebot neben dem Training böte Hamburg und Wandsbek allemal. Der Bezirk Wandsbek, so Herr Bruhns, habe sogar Alleinstellungsmerkmale. So existierten im Norden des Bezirkes drei große Biobauernhöfe, von denen einer bereits Interesse an Kooperationsmöglichkeiten signalisiert hätte. Mit Matthias Claudius und Detlev von Liliencron hätte Wandsbek zwei recht bedeutende Deutsche Literaten vorzuweisen und es sei erstaunlich, dass aus diesem Kapital relativ wenig entstünde. Die Volkshochschule Hamburg-Ost habe vor, Angebote zu bündeln und Kooperationen mit Hotels einzugehen, um z. B. Wochenendseminare in den „unattraktiveren“ Jahreszeiten anzubieten. Sinn des vorliegenden Antrags soll sein, mit dem im o. g. Gutachten genannten mittelfristigen Maßnahmen schrittweise zu beginnen. Der Tourismusbeauftragte des Bezirks soll legitimiert werden, eine Angebots- und Kommunikationsstruktur in Wandsbek herzustellen. Würde die Sache in die Hand genommen werden, wäre möglicherweise der Anreiz in der Branche gegeben, auch finanzielle Mittel hierfür zur Verfügung zu stellen. Mehrere Anbieter hätten geäußert, dass sie bereit wären eine entsprechende Kommunikationsstruktur zu unterstützen, wenn absehbar sei, dass etwas entstehe. Es sei letzlich klar, dass etwaige Strukturen von der Privatwirtschaft finanziert und getragen werden müssen. Aber es sollte zumindest mittelfristig begonnen werden, die Arbeitskreise (Natur/Landschaft, Kultur/Geschichte, Gastronomie/Shopping, Sport/Wellness) zu einem druckbaren Ergebnis zusammen zu fassen, um in der Broschüre „Auf nach Hamburg“ erscheinen zu können. Man dürfe sich in Wandsbek nicht überschätzen, und ob ein hauptamtlicher Tourismusmanager, wie im Gutachten vorgeschlagen, tatsächlich kommen wird, sei offen. Die Zusammenarbeit mit den anderen Bezirken und den umliegenden Gemeinden und Kreisen in Schleswig-Holstein sei selbstverständlich. Bei aller Kritik, die am Gutachten möglich sei, wäre es jedoch falsch, dieses Gutachten zu ignorieren, denn damit würde im Ergebnis auch Wandsbek ignoriert werden. Tourismusförderung in Wandsbek sei gleichzeitig auch eine Verbesserung des Naherholungsangebotes. Auch Binnentourismus könne den Standort Wandsbek stärken.

Herr Schneider führt aus, dass im Rahmen der Radtour entlang des Wandsegrünzuges bemerkt werden konnte, dass Möglichkeiten bestünden. Auch das vorliegende Gutachten würde zeigen, dass der Bezirk Wandsbek Chancen habe, Bestehendes zu verknüpfen und zu koordinieren. Es müsse überlegt werden, wie sich die kommunale Politik verhalten soll, um dieses zu fördern. Die SPD-Fraktion werde gerne mithelfen, dass Potenzial des Bezirkes herauszuarbeiten und zu fördern. Der vorliegende Antrag sei sehr detailliert ausgearbeit, wobei einige Punkte noch diskussionswürdig seien, insbesondere die Thematik des Internetauftritts und seiner nötigen Finanzierung und die Zusammenarbeit mit den umliegenden Kreisen und Gemeinden. Die SPD-Fraktion beantrage daher Überweisung in den Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr und Tourismus.

Frau Zechendorf erläutert, dass mit den Antrag dem Tourismusbeauftragten im Bezirk konkrete Aufträge erteilt würden, was durchaus sinnvoll sei. Die GAL-Fraktion könne prinzipiell den Antrag unterstützen, halte jedoch einige Punkte für nicht konkret genug gefasst. Insbesondere die vorerst von der öffentlichen Hand zu leistenden Finanzierung gewisser Punkte wie z. B. der Internetplattform müsse genau betrachtet werden. Staatliche Unterstützung zu Beginn sei richtig, sollte jedoch nicht lange andauern. Zudem soll laut Antrag der Tourismusbeauftragte zur Bildung der im Gutachten angesprochenen Arbeitskreise einladen. Es sei nicht klar ersichtlich, mit welchem Ziel dies geschehen soll. Die GAL-Fraktion beantrage ebenfalls die Überweisung in den Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr und Tourismus, um genannte offene Fragen zu erörtern.

Herr Dr. Fischer führt aus, dass die FDP-Fraktion für eine heutige Abstimmung votieren werde, da mit dem Antrag der erste Schritt erfolgen werde. Die von der SPD- und GAL-Fraktion vorgetragenen Anmerkungen würden Details betreffen, die im Weiteren ohnehin noch betrachtet werden müssten. Es gehe im Antrag nicht darum, eine „staatliche Tourismusagentur“ zu schaffen, sondern um den Bezirk, der sich als Katalysator bzw. Organisator für den Start betätigt. Im Weiteren sei es selbstverständlich, dass die private Wirtschaft Träger sei. Der Aspekt der Naherholung sei für den bevölkerungsreichsten Bezirk sehr wichtig. In diesem Zusammenhang möchte die FDP-Faktion betonen, dass man das Wissen und die Erfahrung der Bürgervereine mit einbeziehen sollte. Eine „Marke Wandsbek“ zu kreieren, wäre aus Sicht der Kosten-Nutzen-Relation nicht sinnvoll. Zielführender sei, die bestehenden Hamburger Stadtmarketingstrukturen so zu verändern, dass Wandsbek überhaupt ersteinmal aufgeführt und bekannt gemacht werde.

 

Der Antrag auf Überweisung wird abgelehnt mit den Stimmen der CDU- und FDP-Fraktion, bei Zustimmungen der übrigen Fraktionen.


 


Die Bezirksversammlung beschließt einstimmig.