Bezirksversammlung Wandsbek

Auszug - Frauennamen bei Straßenbenennungen Interfraktioneller Debattenantrag der GAL- und SPD-Fraktion  

 
 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek
TOP: Ö 4.3
Gremium: Bezirksversammlung Wandsbek Beschlussart: ungeändert beschlossen
Datum: Do, 23.02.2012 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 22:00 Anlass: Sitzung
Raum: Bürgersaal Wandsbek
Ort: Am Alten Posthaus 4, 22041 Hamburg
19/1651 Frauennamen bei Straßenbenennungen
Interfraktioneller Debattenantrag der GAL- und SPD-Fraktion
   
 
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Federführend:Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt   
 
Protokoll

Freie und Hansestadt Hamburg

Bezirksamt Wandsbek

Bezirksversammlung

 


 

Auszug aus der Niederschrift

der 10. Sitzung des Gremiums

Bezirksversammlung

am 23.02.2012

 

 


Tagesordnungspunkt 4.3 : 19/1651

 

!Titel!


Frauennamen bei Straßenbenennungen

Interfraktioneller Debattenantrag der GAL- und SPD-Fraktion


 


 


Frau Stoye führt aus, dass in Hamburg rund ein Viertel der Straßennamen nach Personen benannt seien und davon wiederum lediglich etwa 12 % nach Frauen. Dieses Missverhältnis sei nicht zeitgemäß. Die Namen von Straßen und Plätzen seien so etwas wie das Gedächtnis einer Stadt. Um- und Neubenennungen stünden in einem Zusammenhang mit Geschichte und trügen zur Erinnerung bei. Der bisherige Verlauf der Geschichte und die gesellschaftliche Entwicklung hätten in der Vergangenheit überwiegend Namen von männlichen Personen des öffentlichen Lebens bedingt. Es käme, so Frau Stoye, jedoch auf den Blickwinkel der Betrachtung an. Frauen hätten nicht nur in jüngster Zeit, sondern auch in der Vergangenheit auf verschiedensten Gebieten Aufmerksamkeit erzeugt, z. T. leider auch in einem dramatischen Kontext. So gäbe es beispielsweise eine Straßenbenennung nach Mette Harden, die im Rahmen der Hexenverfolgung ums Leben kam. Der Antrag fordere nicht, zukünftig nur noch Frauennamen zu berücksichtigen, vielmehr solle auf ein Gleichgewicht geachtet werden. Da aufgrund der Stadtstaatsituation in Hamburg nicht endlos neue Straßen entstehen können, würden Frauenstraßennamen nicht überhand nehmen. Eine Datenbank mit über 500 Frauenbiografien des Landesinstituts für politische Bildung und die Archive der Geschichtswerkstätten stünden für Anregungen zur Verfügung. Frau Stoye nennt Beispiele für Bereiche, in denen Frauen sich durch Courage, Mut und Engagement gezeigt hätten. Für den Bereich des Bauprojektes Jenfelder Au sei es eine sehr interessante Möglichkeit, im Rahmen eines Gesamtkonzeptes auf Frauennamen zurückzugreifen, die mit der Kolonial- bzw. NS-Zeit durch ihre menschlichen Taten bzw. durch ihr Leiden in Verbindung stehen.

Frau Schmidt erläutert, dass sicher noch viel Anstrengung bedarf, bis die Leistungen gewisser Frauen der Geschichte Berücksichtigung fänden. Straßenbenennungen würden immer auch das Gleichstellungsgewicht in der Gesellschaft abbilden. Obwohl die Straßenbenennungen nach Frauen im Allgemeinen zunehmen würden, würden sie noch nicht an die Straßenbenennungen nach Männern heranreichen. In Hamburg seien von rund 9000 Straßen in Hamburg etwa 2300 nach Männern und lediglich 332 nach Frauen benannt. Im Bauprojekt Jenfelder Au würde es sich anbieten, das Geschlechterverhältnis anzugleichen. Es sei für die Abbildung der Geschichte wichtig, dass Frauen- und Männernamen im gleichen Verhältnis bei Straßenbenennungen Berücksichtigung fänden. Die CDU-Fraktion werde den Antrag unterstützen.

Frau Azadi macht deutlich, dass der prozentuale Anteil von Frauenstraßennamen im Bezirk Wandsbek sehr gering sei, was  in Ortsteilen anderer Bezirke z. T. verbessert worden sei. Für zukünftige Benennungen nach Frauennamen werde es sicherlich keinen Mangel an Vorschlägen geben. Die Fraktion Die Linke unterstütze den Antrag.

Frau Daniel bemerkt, dass es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sei, dass bei Straßenbenennungen in Wandsbek Frauennamen Berücksichtigung finden müssen. Warum dieses in der Vergangenheit nicht ausreichend praktiziert worden sei, rege zum Nachdenken an. Zukünftig sollten die Frauen in den entsprechenden Gremien mit vielen Vorschlägen selbstbewusst vortreten, dann müsste auch nicht über Quoten oder ähnliches nachgedacht werden. Sie könne diesen Antrag nur unterstützen.

Frau Stoye macht deutlich, dass sie sich über die Unterstützung freue. Der Antrag könnte als überflüssig bewertet werden, doch die Realität zeige auf, dass anscheinend dennoch ein großer Bedarf bestehe, einen verbindlichen Beschluss – zumindest für den Bezirk Wandsbek – zu fassen. Andererseits würden bei Straßenbenennungen immer wieder Gründe auftreten, die nicht zu Frauenstraßennamen führten.

Herr Dr. Thieme führt aus, dass das bereits vorgetragene Argument, die Häufigkeit von Frauenstraßennamen würde die gesellschaftliche Situation einer entsprechenden Zeit widerspiegeln, dann richtig sei, wenn die Benennungen aufgrund einer selbstverständlich gewordenen gleichberechtigten Rolle der Frau in einer Gesellschaft erfolge und nicht, weil sich vorgenommen wurde, eine etwaige Quote zu erfüllen.

 


 


Ergebnis:

 

Die Bezirksversammlung beschließt den Antrag einstimmig.