Bezirksversammlung Wandsbek

Drucksache - XIX-4152  

 
 
Betreff: A 24 - wird die Verkehrsführung geändert?
Status:öffentlichDrucksache-Art:Anfrage gem. § 27 BezVG
Verfasser:Heinz-Werner Seier (CDU-Fraktion)
Sören Niehaus (CDU-Fraktion)
Philip Buse (CDU-Fraktion)
Federführend:Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt Beteiligt:Fachamt Management des öffentlichen Raumes
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Wandsbek
15.08.2013 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek überwiesen   
Regionalausschuss Kerngebiet Wandsbek
04.09.2013 
Sitzung des Regionalausschusses Kerngebiet Wandsbek zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:

 

(Hinweis: alte Drs.Nr. 19/3489, BV v. 4.4.2013)

 

Die Jüthornstraße liegt zwischen der Hammer Straße und der Rennbahnstraße. Die Anwohner der Jüthornstraße klagen schon seit längerem über steigende Lärmbelästigung durch den

zunehmenden Fahrzeugverkehr, der durch ihre Straße geführt wird.

Die Verkehrshinweisschilder zur A 24 beginnen vor der Kreuzung Wandsbeker/Allee /

Wandsbeker Marktstraße und werden dann am Ende der Robert-Schumann -Brücke kurz vor der Shell-Tankstelle mit dem Hinweisschild A 24 Berlin /Lübeck mit einem Rechtsabbiegepfeil weiter in die Jüthornstraße hinein geführt.

Fahrzeugführer von der A24 kommend werden am Horner Kreisel in Richtung Wandsbek über die Hammer Straße geführt und an der Einmündung Hammer Straße / Jüthornstraße mit einem

Hinweisschild darauf aufmerksam gemacht, nach rechts in die Jüthornstraße einzubiegen, sofern diese in Richtung City Nord und dem Flughafen fahren wollen. Somit bekommen die Anwohner der Jüthornstraße die Lärmbelästigungen aus beiden von der Straßenverkehrsbehörde

angeordneten Fahrtrichtungen mit.

 

Um wenigstens etwas Entlastung für die Anwohner zu erreichen, würde sich eine veränderte

Verkehrsführung anbieten, wie es bereits auch der Beschluss der Bezirksversammlung vom

22.11.2012 fordert, nämlich die Verkehrsführung zur A24 nicht mehr nach rechts in die

Jüthornsraße, sondern geradeaus über die Rennbahnstraße und dann nach rechts folgend in die Sievekingsallee zu leiten.

 

Eine Änderung ist laut Mitteilung der Straßenverkehrsbehörde vom 11.01.2013 vorstellbar.

 

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Verwaltung:

 

1.       Wurde der Beschluss an die BWVI weitergeleitet und wurden bereits in der BWVI
Maßnahmen ergriffen, eine Überprüfung der Verkehrsführung in die Wege zu leiten, auch unter der Berücksichtigung der Auswirkungen auf das Straßennetz und den dortigen Bewohnern? Wenn ja, welche Maßnahmen wurden ergriffen? Wenn nein, warum nicht ?
 

2.       Das Wegweisungskonzept zur A24 ist zwischen der BWVI und der Straßenbehörde
abgestimmt worden.
Eine Neuausrichtung der Verkehrsführung würde Kosten verursachen und bis zur
Umsetzung auch eine gewisse Zeit lang dauern. In welchen Zeitraum ist die Umsetzung der Maßnahmen zu erwarten? Welche Kosten würden durch die Neuausrichtung entstehen?
 

3.       Ist eine neue Wegeführung ohne ein Rechtsabbiegen in die Jüthornstraße für
Fahrzeugführer, die die Hammer Straße in Richtung City Nord / Flughafen befahren, schon einmal geprüft worden? Wenn ja, welche alternative Wegeführung würde sich anbieten? Wenn nein, warum nicht ?

 

 

Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation antwortet wie folgt:

 

 

Die Bezirksversammlung Wandsbek hat mit Beschluss vom 22.11.2012 (Drs. 19/2890) um eine Änderung der Wegweisung zur BAB A24 am Horner Kreisel im Bereich Robert-Schuman-Brücke/Jüthornstraße gebeten. Die Verkehrsdirektion (VD) hat der Bezirksversammlung daraufhin mitgeteilt, dass eine Änderung der Wegführung aus Sicht der Straßenverkehrsbehörde nicht erforderlich, aber vorstellbar sei und sie die Intention des Bezirks an die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation mit dem Vorschlag zur Prüfung des Sachverhalts weiterleiten werde (veröffentlicht mit Drs. 19/3144). Mit Schreiben vom 10.01.2013 wurde die BWVI daher von VD gebeten, aus verkehrlicher Sicht zu prüfen, ob und inwieweit dem Wunsch des Bezirks entsprochen werden kann und VD über das Prüfergebnis zu informieren, um ggf. verkehrsrechtliche Maßnahmen veranlassen zu können. In Form einer weiteren Anfrage nach § 27 BezVG (Drs. 19/3489) greift der Bezirk das Thema erneut auf und erkundigt sich nach dem Sachstand. Dabei wird ergänzend danach gefragt, ob in der Vergangenheit auch eine neue Wegeführung im Bereich Hammer Straße/Jüthornstraße geprüft wurde.

 

Zu dem Anliegen des Bezirks wird aus fachlicher Sicht des Amtes für Verkehr und Straßenwesen nachfolgende verkehrliche Beurteilung übersandt.

 

1.      Verkehrliche Situation in der Jüthornstraße und in deren Umfeld

Bei dem Abschnitt der Jüthornstraße zwischen Hammer Straße und Robert-Schuman-Brücke/Rennbahnstraße handelt es sich um eine zweistreifige Straße in der Zuständigkeit des Bezirksamts Wandsbek. Auch wenn die Jüthornstraße seit 2006 nicht mehr zum Netz der Hamburger Hauptverkehrsstraßen zählt, so hat sie nicht an verkehrlicher Bedeutung verloren.

Als Teil des übergeordneten Straßennetzes hat der betreffende Straßenabschnitt und seine Fortführung in östlicher Richtung als Jüthornstraße und Rodigallee bis Jenfeld und Barsbüttel eine stadtteilverbindende Funktion und nimmt sowohl lokale als auch überörtliche Verkehre auf. Nach den letzten in dem betreffenden Abschnitt am 27.02.2002 durchgeführten Verkehrszählungen wurden östlich Hammer Straße ein Werktagesverkehr von rd. 10.000 Kfz/24h mit einem Schwerverkehrsanteil (SV-Anteil, Kfz über 2,8 to zul. Gesamtgewicht) von rd. 5% und westlich Robert-Schuman-Brücke/Rennbahnstraße ein Wert von rd. 13.000 Kfz/24 h mit einem SV-Anteil von rd. 3% ermittelt. Ein Bedarf an neueren Erhebungen bestand mangels Anlass seitdem nicht. Diese Verkehrsmengen stellen in Anbetracht der beschriebenen Netzbedeutung dieser Straße weder ein Kapazitätsproblem noch eine außergewöhnliche Verkehrsbelastung dar. Bei den vorliegenden Verkehrsdaten handelt es sich um die Ergebnisse dieses Zähltages. Um deren Größenordnung auch heute noch als zutreffend unterstellen zu können, bestätigt ein Vergleich der im Umfeld betriebenen Verkehrspegel (Hammer Straße, Pappelallee, Rennbahnstraße, Wandsbeker Marktstraße), dass sich wie vielfach im Hamburger Straßennetz festzustellen die Verkehrsentwicklung auch in diesem Stadtbereich seit 2002 als konstant bzw. mit abnehmender Tendenz zeigt.

Die Zählwerte aus 2002 lassen eine klare Korrelation zwischen dem Verkehrsaufkommen in der nordwestlichen Eckbeziehung Robert-Schumann-Brücke und Jüthornstraße und dem in der süstliche Eckbeziehung Jüthornstraße/Hammer Straße erkennen. Während der SV-Anteil in der Robert-Schumann-Brücke in der hoch belasteten süstlichen Fahrtrichtung rd. 7% (von insgesamt rd. 24.100 Kfz/24 Std.) beträgt, liegt er bei dem in die Jüthornstraße in südwestlicher Richtung rechtseinbiegenden Verkehr nur bei rund 5% (von insgesamt rd. 3700 Kfz/24 Std.). Eine übermäßige Nutzung der Jüthornstraße durch Schwerverkehr ist damit nicht gegeben. Der Schwerverkehrsanteil im gesamten betrachteten Abschnitt der Jüthornstraße bewegt sich mit 3-5% in einer für die Verkehrsfunktion dieser Straße unauffälligen Größenordnung. Bei Betrachtung des die Jüthornstraße umgebenden Straßennetzes in Bezug auf Eignung, mehr Verkehr durch anderweitige Umlenkung aufzunehmen sowie unter Berücksichtigung bereits vielfältig bestehender Fahrtrichtungsrestriktionen allein in den Knotenpunktsbereichen a) Wandsbeker Marktstraße/Hammer Straße/Brauhausstraße und b) Wandsbeker Marktstraße/Schloßstraße/Wandsbeker Allee/Robert-Schuman-Brücke (RING 2) gibt es zur Jüthornstraße als kurzwegige Verbindung zwischen dem RING 2 und der Hammer Straße keine vergleichbar akzeptable Alternative zum Erreichen der BAB A24 am Horner Kreisel.

 

2.      Überörtliche Wegweisung von Robert-Schuman-Brücke über Jüthornstraße zur BAB A24 

Die Wegweisung zur BAB A24 führt die von der Robert-Schuman-Brücke (RING 2) kommenden Verkehrsteilnehmer nach rechts in die Jüthornstraße und anschließend linksabbiegend über die Hammer Straße zum Horner Kreisel. Die wegweisende Beschilderung folgt dem übergeordneten planerischen Prinzip, Verkehre zundeln und auf möglichst kurzen und gleichzeitig geeigneten Wegen dem übergeordneten Straßennetz bzw. Zielen, in diesem Fall der A24, zuzuführen. Grundsätzlich neigen Verkehrsteilnehmer im Zusammenhang mit ihrer Routenwahl dazu, den schnellsten Weg zu wählen. Diese Entscheidungskriterien dürften für den Bereich des Wirtschaftsverkehrs, hier vor allem der Bereich des Schwerverkehrs, vor dem Hintergrund betriebswirtschaftlicher Aspekte (Weg- und Zeitkosten) in besonderem Maße gelten.

Unter den Verkehrsteilnehmern in einer Großstadt wie Hamburg stellen Ortskundige gegenüber Ortsfremden sicher den weitaus größeren Anteil dar. Es ist dabei davon auszugehen, dass eine überörtliche Wegweisung für ortskundige Verkehrsteilnehmer eher keinen Einfluss auf die Routenwahl hat. Mit heutigem Stand der Technik und der Verbreitung von Navigationsgeräten einerseits und der im Internet angebotenen Routenplaner andererseits ist gerade einem maßgeblichen Anteil ortsfremder Verkehrsteilnehmer zu unterstellen, sich dieser technischen Unterstützung zu bedienen und sich damit dem Einfluss der örtlichen Wegweisung nur sehr bedingt unterzuordnen. Auch dürfte dies in besonderem Maße für den Gewerbe- und Güterverkehr gelten. Die Routenwahl von Navigationsgeräten erfolgt in aller Regel nach denselben Entscheidungskriterien, der Benutzer unterscheidet seine Routenwahl grundsätzlich nach „kurz“ oder „schnell“.

Zusammengefasst ist daher davon auszugehen, dass der Fernstraßenwegweisung zur BAB A24 von der Bereich Robert-Schuman-Brücke über die Jüthornstraße gemessen an der werktäglichen Verkehrsmenge - nur eine untergeordnete Bedeutung beizumessen ist.

Vor diesem Hintergrund lässt sowohl ein Abbau dieser Beschilderung als auch eine veränderte Wegweisung zur BAB A24, die im RING 2 weiter über die Rennbahnstraße bis Hermannstal (Höhe U-Horner Rennbahn) und dann im spitzen Winkel zurück über die Sievekingsallee zum Horner Kreisel führen würde, keinen spürbare Änderung der Verkehrsverteilung erwarten, zumal sich die derzeitige Wegelänge von rd. 1,5 km um rd.1 km verlängern würde.

 

3.      Innerörtliche Wegweisung von Hammer Straße über Jüthornstraße in Richtung City-Nord und Flughafen

Bereits am Ende der A24 weist am Horner Kreisel eine (weiße) Beschilderung mit den Zielen City-Nord und Flughafen in die Hammer Straße. An der Einmündung Hammer Straße/Jüthornstraße befinden sich Wegweiser, die aus der Hammer Straße von Süden kommende Verkehrsteilnehmer durch die Jüthornstraße zu diesen Zielen führen. Grundsätzlich gelten auch hier die im vorherigen Abschnitt ausgeführten Randbedingungen für die Routenwahl, insbesondere die an den Knotenpunkten der Wandsbeker Marktstraße beschriebenen Abbiegerestriktionen in Bezug auf die Vorzugsroute des RING 2.

Die vorhandene Wegweisung sieht vor, aus südlicher Richtung kommende Verkehre auf den leistungsfähigen Ring 2 zu führen und dort zu bündeln. Auch hier wird davon ausgegangen, dass vor dem Hintergrund überwiegender Ortskenntnisse und der Nutzung von Navigationssystemen ein Entfernen oder Verändern der wegweisenden Beschilderung keinen nennenswerten Beitrag zur verkehrlichen Entlastung der Jüthornstraße leisten würde.

 

4.      Belastung der Anwohner durch Verkehr, Lärm und Luftschadstoffe

Die Führung bzw. aktive Lenkung des Verkehrs oder eines Teils des Verkehrs auf alternativen Routen im Stadtstraßennetz hat in aller Regel eine Umverteilung von Verkehrsmengen zur Folge, die gleichzeitig eine Mehrbelastung der Anwohner durch Lärm und Luftschadstoffe an anderer Stelle bedeutet. Daher ist die Betrachtung und die Beurteilung der aktuellen wie auch der mit einer verkehrslenkenden Maßnahme zu erwartenden Verkehrsbelastung des umgebenden Netzes von besonderer Bedeutung. Gleichzeitig stellt der Umfang an betroffenen Anwohnern in diesem Zusammenhang ein wichtiges Abwägungskriterium dar.

r den Fall, dass eine veränderte Wegweisung zur BAB A24 im Bereich Jüthornstraße/Robert-Schuman-Brücke eine Umverteilung des Verkehrs zur Folge hätte, würde die Alternativroute Rennbahnstraße/Sievekingsallee stärker belastet werden.

Die Rennbahnstraße (mit ihrer südlichen Verlängerung als Horner Rampe) ist im aktuellen Entwurf des Hamburger Lärmaktionsplans als eine der 40 lautesten Straßen Hamburgs ausgewiesen. Die Auswahl dieser Straßen erfolgte auf Grundlage einer Kombination aus dem Vorliegen entsprechend hoher Lärmpegel und der Bewohnerdichte in dem jeweiligen Abschnitt. Die Rennbahnstraße hat eine durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke an Werktagen von 38.000 Kfz/24 Std. mit einem Schwerverkehrsanteil von 8%. In den bewohnten Abschnitten liegt eine Bewohnerdichte von 100 bis 130 Einwohnern (EW) pro 100 m Straßenlänge vor (zum Vergleich: in der Jüthornstraße zwischen Schloßgarten und Robert-Schuman-Brücke 80-100, zwischen Hammer Straße und Schloßgarten 30-40.)

Der Status der Rennbahnstraße im aktuellen Entwurf des Lärmaktionsplans verdeutlicht darüber hinaus die Sensitivität dieses bereits hoch belasteten Straßenabschnitts.

 

 

Fazit

Wegweisende Beschilderung dient der unmissverständlichen Verkehrsführung zu unterschiedlichen Zielen über geeignete Straßen mit Bündelungswirkung unter gleichzeitiger Berücksichtigung auch anderer Netzbedingungen. Dies wird durch die gegenwärtige Beschilderung gewährleistet.

Die Intention der Bezirksversammlung, die Jüthornstraße von Verkehr zu entlasten, lässt sich nicht durch eine Beseitigung der Beschilderung realisieren. Eine Beseitigung oder Änderung der wegweisenden Beschilderung wird daher aus verkehrsfachlicher Sicht weder für erforderlich noch für zielführend gehalten.

Eine alternative Verkehrsführung würde eine Verlagerung und Erhöhung der Gesamtbelastung auslösen.

 

 

 


Anlage/n:

 

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