Bezirksversammlung Wandsbek

Drucksache - XIX-4477.1  

 
 
Betreff: Photovoltaik nicht wirtschaftlich?
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antwort zu Anfragen
Verfasser:Astrid Boberg (GRÜNE)
Wolfgang Johannsen (GRÜNE)
Karin Jung (GRÜNE)
Bezüglich:
XIX-4477
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Wandsbek
12.12.2013 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek überwiesen   
Ausschuss für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
21.01.2014 
Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:

 

Als Mitteilung auf unseren Antrag vom 08.12.2011 teilte uns die Verwaltung mit der Drucksache 19/3797 am 06.06.2013 mit, dass die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) eine Nutzung von Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) für die Stadt auch auf Gebäuden, die sich im Eigentum der Stadt Hamburg befinden nicht für wirtschaftlich hält. Die Antwort der BSU gibt dabei keine Auskunft, wie sie zu der Einschätzung gekommen ist.

 

Es wurden weder Angaben über den Zeitraum der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vorgelegt noch Zahlen über die Kosten für die Errichtung der beiden vorgeschlagenen PV-Anlagen auf den Gebäuden Charlottenburger Straße 1 und Tegelbarg 2b (beide Gebäude befinden sich im Besitz der Stadt). Ebenfalls wurde auch nicht ausgeführt, welche Einspeisevergütungen für die Betrachtung zugrunde gelegt wurden. Da keine Zahlen vorgelegt wurden fehlte auch eine Herleitung solcher Zahlen.

 

Der Auskunft der BSU stehen nachvollziehbare Angaben des Münchener Umweltinstitutes gegenüber, welches auf seiner Internetseite für die Berechnung der Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen ein bis ins Detail nachvollziehbares Kalkulationsformular (Exceldatei) zur Verfügung stellt. Nimmt man dieses Formular und erfasst dort die aktuell üblichen Kosten für eine PV-Anlage (ca. 2000 € pro Kilowatt-Peak = kWp) und stellt es den aktuellen Einspeisevergütungen gegenüber, ergibt sich eine Rendite von 4-5%. Da aufgrund der Technik von PV-Anlagen dieser Rendite faktisch keine Betriebskosten gegenüberstehen erscheint eine PV-Anlage durchaus wirtschaftlich.

 

Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zum Zeitpunkt unseres damaligen Antrags hätte aufgrund der seinerzeit höheren Einspeisevergütungen noch größere Renditen aufgezeigt.

 

Aufgrund der differierenden Informationen fragen wir daher die BSU:

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) beantwortet die Fragen wie folgt:

 

 

  1.      Welche Kosten für die PV-Anlagen wurden der Antwort zugrunde gelegt? Bitte Angaben zu Investitions-/ Betriebskosten und zur Leistung der für die zur Antwort zugrunde gelegten PV-Anlagen angeben. Bitte die jeweiligen Kosten nachvollziehbar herleiten.

 

  1.      Welche Einspeisevergütung wurde für die Antwort zugrunde gelegt?

 

 

  1.      Welcher Inbetriebnahmezeitpunkt der PV-Anlagen wurde der Antwort zugrunde gelegt?

 

Zu 1., 2., 3. und 6.:

Da die ursprüngliche Fragestellung nicht auf detaillierte Aussagen zur Wirtschaftlichkeit abzielte, wurden entsprechende Untersuchungen auch nicht angestellt.

 

Um die Höhe der Investitionskosten für eine PV-Anlage genau zu ermitteln, wäre ein Fachplaner zu beauftragen. Insbesondere in Bestandsgebäuden ist ein wesentlich höherer Installations- und Montageaufwand zu erwarten als bei Gebäude-Neubauten. Außerdem ist durch statische Berechnungen zu überprüfen, ob eventuell die Tragfähigkeit der vorhandenen Dachkonstruktion verstärkt werden muss.

Die bisher in der BSU bekannten Betrachtungen zur Installation von PV-Anlagen liegen in der Regel deutlich über 4.000 Euro je kWp Anlagenleistung. Das ist somit mehr als das Doppelte der im Münchner Kalkulationsschema angesetzten Investitionskosten von 1.600 €/kWp (zzgl. MwSt).

PV-Anlagen bestehen aus hochkomplexen und zum Teil störempfindlichen Bauteilen wie z.B. den Wechselrichter. Neben den Wartungskosten und den eventuellen Austauschkosten für defekte Bauteile fallen auch Versicherungskosten, die Zählermiete sowie Modul-Reinigungskosten an, um eine Ertragsreduzierung durch Blätter, Vogelkot oder Moos zu vermeiden. In Anlehnung an die Werte der VDI-Richtlinie 2067 setzt die BSU die Betriebskosten für PV-Anlagen mit 2% der Investitionssumme an.

 

Das Kalkulationsschema des Münchener Umweltinstitutes bezieht sich laut der Erläuterungen des Umweltinstituts auf private Solaranlagen unter Berücksichtigung steuerlicher Aspekte. Für die einkalkulierte Förderung durch die KfW sind Behörden nicht anspruchsberechtigt. Das Münchner Kalkulationsschema kann daher nicht zum gleichen Ergebnis führen wie eine für die FHH geltende Wirtschaftlichkeitsberechnung.

Hinzu kommt, dass der für Hamburg anzusetzende Solarstromertrag mit 800 kWh/kWp deutlich niedriger ist als der Vorgabewert des Münchner Kalkulationsschemas, der sich auf den Standort München (950 kWh/kWp) bezieht. Dies sind jedoch zunächst pauschale Ertragswerte. Der genaue Ertrag hängt vom gewählten Solarmodul und von den Gegebenheiten vor Ort ab (Dachausrichtung, Dachneigung, Verschattung) und lässt sich daher erst bei einer näheren Planung ermitteln.

 

 

  1.      Müssen alle durch die Stadt Hamburg betriebenen PV-Anlagen von der Hamburg Energie Solar GmbH betrieben werden? Wenn ja, warum?

 

Nein, es gibt unterschiedliche Betreibermodelle.

 

  1.      Können die Dächer der stadteigenen Gebäude auch unentgeltlich an einen Solarbetreiber (z.B. die Hamburg Energie Solar GmbH oder eine Energiegenossenschaft) verpachtet werden?

 

Zu den Modalitäten der Vermietung bzw. Verpachtung städtischer Dachflächen wäre die Finanzbehörde bzw. der jeweilige Eigentümer zu hören.

 

  1.      Wie erklärt die BSU die Differenzen zwischen den Ergebnissen des Kalkulationsschemas des Müchener Umweltinstitutes und der Auskunft aus der Drucksache 19/3797?

 

s.o.


Anlage/n:

keine Anlage/n