Bezirksversammlung Wandsbek

Drucksache - XIX-4668.1  

 
 
Betreff: Immissionen durch den Straßenverkehr an der Alten Landstraße
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antwort zu Anfragen
Verfasser:Julian Georg (DIE LINKE)
Gerda Azadi (DIE LINKE)
Anke Ehlers (DIE LINKE)
Bezüglich:
XIX-4668
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Wandsbek
30.01.2014 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek überwiesen   
Regionalausschuss Alstertal
19.02.2014 
Sitzung des Regionalausschusses Alstertal zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:

 

Die Alte Landstraße in Hummelsbüttel/ Poppenbüttel ist eine stark frequentierte Hauptstraße. Anwohner berichten von starken Belastungen durch Lärm, Geruch und Erschütterung.

 

Wir fragen hierzu die Verwaltung:

 

1. Wie viele Fahrzeuge passieren täglich die Alte Landstraße? Bitte nach PKW und LKW aufschlüsseln.

 

Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation antwortet wie folgt:

 

Für die Alte Landstraße liegen der für Verkehrszählungen zuständigen Behörde keine Angaben zu durchschnittlichen täglichen / werktäglichen Verkehrsstärken (DTV / DTVw) vor, da hier nicht regelmäßig (jährlich) Zählungen durchgeführt werden. Ersatzweise können als Ergebnisse zweier Einzelzählungen vom Dienstag, den 28. August 2012, folgende Tagesverkehre (TV) und Schwerverkehrsanteile (SV (Kfz > 3,5 t zulGG)) genannt werden:

 

  • Alte Landstraße, südlich Poppenbütteler Weg: TV ca. 16.400 Kfz/24Std, SV ca. 2 %
  • Alte Landstraße, südwestlich Vogtskamp: TV ca. 15.800 Kfz/24Std, SV ca. 2 %.

 

2. Welche Lärmminderungsmaßnahmen sind entlang der Alten Landstraße geplant? Bitte ausführlich beschreiben. Sollten keine geplant sein, stellen Sie bitte ausführlich dar, warum nicht.

 

Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation antwortet wie folgt:

 

Als Straßenbelag bzw. für die oberste Schicht der Fahrbahn, wird in Hamburg ein sogenannter feinkörnigen Splittmastixasphalt (SMA 8 Hmb) verwandt. Mit diesem Belag ist eine dauerhafte Lärmminderung von bis zu 2 dB(A) gegenüber einem herkömmlich hergestellten Asphalt zu erwarten. Damit wird also eine Lärmreduzierung gegenüber älteren Fahrbahndecken, wie die in der Alten Landstraße derzeit vorhandenen, erzielt.

 

3. Existieren Lärmmessungen zu dem unter 1. genannten Bereich? Wenn ja, bitte die Ergebnisse als Anlage beifügen. Wenn nein, sind Lärmmessungen geplant? Wenn ja, wann? Wenn nein, warum nicht (bitte ausführlich begründen)?

 

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) beantwortet die Frage wie folgt:

 

Ziel der „Richtlinien für straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor Lärm (Lärmschutz-Richtlinien-StV)“ ist es, den Straßenverkehrsbehörden eine Orientierungshilfe zur Entscheidung über straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen (Regelungen durch Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen) zum Schutz der Wohn-/Bevölkerung vor Straßenverkehrslärm an die Hand zu geben. Nach Nr. 2.2 der Richtlinien sind die Beurteilungspegel entsprechend den Vorgaben der „Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen – RLS-90“ zu berechnen. Örtliche Schallmessungen können nicht berücksichtigt werden, da sich die Messwerte nur auf die zum Zeitpunkt der Messungen vorhandenen Schallemissions- und Schallausbreitungsbedingungen beziehen. Es wurden daher von der BSU keine Schallmessungen durchgeführt.

Gleichwohl wurden 2012 im Rahmen der Umsetzung der EU-Umgebungslärmrichtlinie Berechnungen von Verkehrslärmimmissionen anhand der Vorgaben der „Vorläugen Berechnungsmethode für den Umgebungslärm an Straßen – VBUS“ vom 10. Mai 2006 sowie der „Vorläufigen Berechnungsmethode zur Ermittlung der Belastetenzahlen durch Umgebungslärm – VBEB“ vom 9. Februar 2007 durchgeführt.

An den Gebäuden an der Alten Landstraße wurden an den straßenseitig orientierten Fassaden von 209 Wohngebäuden die Pegel Lden und Lnight an 929 Stellen in einer Höhe von 4 m über Geländeoberkante bestimmt. Die Pegel haben eine Spanne für Lnight von 40 dB(A) bis 62 dB(A) und Lden von 49 dB(A) bis 71 dB(A).

An 50 % der untersuchten Berechnungspunkte ist an 149 Wohngebäuden Lnight ≥ 55 dB(A) und Lden ≥ 64 dB(A).

 

 

4. Ist geplant, für Lastkraftwagen auf der Alten Landstraße Tempo 30 einzuführen? Wenn ja, wann? Wenn nein, warum nicht (bitte ausführlich begründen)?

 

Die Verkehrsdirektion nimmt in Abstimmung mit dem PK 35 wie folgt Stellung:

 

Nein.

Die rechtlichen Voraussetzungen liegen nicht vor.

 

5. Ist geplant, für Lastkraftwagen auf der Alten Landstraße ein Durchfahrverbot von 22 bis 6 Uhr einzuführen? Wenn ja, wann? Wenn nein, warum nicht (bitte ausführlich begründen)?

 

Die Verkehrsdirektion nimmt in Abstimmung mit dem PK 35 wie folgt Stellung:

 

Nein.

Die rechtlichen Voraussetzungen liegen nicht vor.

 

6. Ist es geplant, mit sogenanntem Flüsterasphalt die Alte Landstraße zu versehen? Wenn ja, wann und in welchen Bereichen? Wenn nein, warum nicht (bitte ausführlich begründen)?

 

Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation antwortet wie folgt:

 

Der Einbau von sogenanntem „Flüsterasphalt“ (OPA) hat sich im Stadtstraßenbau aufgrund der geringen Geschwindigkeiten (kleiner 50 km/h) und der hohen Reibungskräfte (Kurven, Einmündungen Stop and Go, etc.) nicht bewährt, die Dauerhaftigkeit ist bei diesen Beanspruchungen (u.a. erhöhter Polierbeanspruchung) stark eingeschränkt.

 

7. Wann wurde die letzte polizeiliche Geschwindigkeitskontrolle durchgeführt? Welche Ergebnisse hat die Kontrolle erbracht. Bitte führen Sie die einzelnen Messergebnisse in

anonymisierter Form auf.

 

Die Verkehrsdirektion nimmt in Abstimmung mit dem PK 35 wie folgt Stellung:

 

Siehe beigefügte Aufstellungen.

 

8. Bitte legen Sie die Ergebnisse zu Geschwindigkeitsmessungen der letzten 15 Jahre in anonymisierter Form bei.

 

Die Verkehrsdirektion nimmt in Abstimmung mit dem PK 35 wie folgt Stellung:

 

Aufzeichnungen über Geschwindigkeitsmessungen in der Alten Landstraße liegen ab 2004 vor. Siehe beigefügte Aufstellung.

 

Im Bereich Alte Landstraße war im Jahr 2003 die Geschwindigkeit auf 60 km/h angehoben worden. Aufgrund der Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht wurde diese Anhebung mit straßenverkehrsbehördlicher Anordnung vom 30.10.2012 (Umsetzung 13.11.2012) wieder aufgehoben.

 

9. Bitte legen Sie die Unfallstatistik für die Alte Landstraße für die letzten 15 Jahre in anonymisierter Form bei.

 

Die Verkehrsdirektion nimmt in Abstimmung mit dem PK 35 wie folgt Stellung:

 

Siehe beigefügte Auswertungen vom 01.10.1997 bis 31.12.2013.

 

10. Ist es geplant, die Alte Landstraße in den Hamburger Lärmaktionsplan aufzunehmen? Wenn ja, wann? Wenn nein, warum nicht (bitte ausführlich begründen)?

 

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) beantwortet die Frage wie folgt:

 

Die Alte Landstraße gehört nicht in das „Programm der lautesten Straßen“ in Hamburg und wurde daher nicht in den Lärmaktionsplan Hamburg 2013 (Stufe 2) aufgenommen.

Für die Auswahl sowohl der lautesten Straßen als auch der Pilotprojekte wurde dabei ergänzend der Betroffenenindex (BI) herangezogen. Der BI ergibt sich aus der Lärmbelastung in Korrelation mit der Anzahl der Betroffenen. Alle betroffenen Bewohner bei Pegeln Lden > 65 dB(A) sowie Lnight > 55 db(A) wurden bei der Ermittlung einbezogen. Somit ist gewährleistet, dass auch Straßen mit besonders vielen betroffenen Personen (und nicht nur hohen Spitzenpegeln) in den Untersuchungen berücksichtigt werden.

 

11. Liegen Ergebnisse zu Abgasmessungen entlang der Alten Landstraße vor? Wenn ja, bitte die Ergebnisse beifügen. Bitte Jahr und Monat der Messung nennen.

 

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) beantwortet die Frage wie folgt:

 

Nein.

 

12. Sofern keine Messungen vorliegen, würde uns interessieren, ob Messungen geplant sind, und wenn ja, wann? Wenn nein, warum sind keine Messungen geplant?

 

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) beantwortet die Frage wie folgt:

 

Messungen sind nicht geplant.

Die Alte Landstraße gehört zu den Hauptverkehrsstraßen, für die in dem für die BSU erstellten Gutachten "Berechnung Kfz-bedingter Schadstoffemissionen und Immissionen in Hamburg" (Ing.Büro Lohmeyer, 2010) die durch den Kfz-Verkehr verursachten Emissionen für das Prognosejahr 2011 berechnet wurden. Sofern in bestimmten Straßenabschnitten ungünstige Ausbreitungsbedingungen durch eine relevante Randbebauung gegeben waren, wurde mit einem vereinfachten Straßenmodell auch die Immissionskonzentration berechnet. Dabei kalkuliert das Modell insgesamt konservativ, d. h. es gelangt im Zweifelsfall zu überschätzenden Ergebnissen. Die höchste berechnete Stickstoffdioxidbelastung betrug in der Alten Landstraße 32 µg/m³, der Jahresmittelwert beträgt 40 µg/m³. Aus der in dieser Höhe berechneten Belastungssituation ergibt sich kein Bedarf für Messungen.

 

13. Liegen Beschwerden von Anwohnern über Erschütterungen vor? Wenn ja, bitte in anonymisierter Form beifügen.

 

Die Verkehrsdirektion nimmt in Abstimmung mit dem PK 35 wie folgt Stellung:

 

Der Polizei liegen für die Alte Landstraße keine Beschwerden im Sinne der Anfrage vor.

 

Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation ergänzt wie folgt:

 

Dem Landesbetrieb für Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) sind keine Beschwerden über Erschütterungen bekannt.

 

14. Gibt es Planungen zwecks Sanierung der Radwege entlang der Alten Landstraße?

 

15. Gibt es Planungen, einen Fahrradweg je Fahrtrichtung auf der Fahrbahn der Alten Landstraße einzurichten? Wenn ja, wann ist mit einer Realisierung zu rechnen? Bitte

beschreiben Sie die geplante Maßnahme im Detail.

 

Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation antwortet zu den Fragen 14 und 15 wie folgt:

 

Die vorhandenen Radwege weisen in der Breite (> 1,50m) und in der Befestigung einen unzureichenden Ausbauzustand auf. Unter Berücksichtigung des Baubestandes ist eine Verbreiterung der Radwege auf ein regelkonformes Maß nicht möglich. Wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahre haben darüber hinaus gezeigt, dass das Führen des Radverkehrs am Fahrbahnrand auf einem Radfahrstreifen eine wesentlich höhere Verkehrssicherheit bietet.

Die Radwege im Planungsbereich werden zurückgebaut und der Radverkehr wird auf Radfahrstreifen geführt werden. An den Planungsgrenzen sind Radwegauf- und -ableitungen geplant.

Die Radfahrstreifen in der Alten Landstraße werden in einer Breite von 2,25 m einschließlich der Markierung geplant. Die nutzbare Breite wird 2,00 m betragen. Im Bereich der Längsparkstände wird ein Sicherheitstrennstreifen zwischen dem Radfahrstreifen und dem Parkstand in einer Breite von 0,50 mit einem Schmalstrich markiert werden. Der Radverkehr wird durch die Bushaltstellen geführt werden. Der Radfahrstreifen wird vor und hinter der Aufstellfläche des Busses als Schutzstreifen markiert werden.

In den Knotenpunkten wird der Radverkehr unmittelbar vor dem Knotenpunkt vom Radweg auf einen Radfahrstreifen abgeleitet werden. Hinter dem Knotenpunkt wird der Radverkehr wieder auf den Radweg aufgleitet werden.

Derzeit geplanter Baubeginn ist Frühjahr 2015.

 


Anlage/n:

Geschwindigkeitsmessungen

Auswertung Verkehrsunfalldaten    

Stammbaum:
XIX-4668   Immissionen durch den Straßenverkehr an der Alten Landstraße   Interner Service   Anfrage gem. § 27 BezVG
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