Bezirksversammlung Wandsbek

Drucksache - 20-0846  

 
 
Betreff: Rettung Mellingburger Schleuse
Interfraktioneller Antrag der SPD-Fraktion und GRÜNEN-Fraktion
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Federführend:Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt Beteiligt:Dezernat Steuerung und Service
Beratungsfolge:
Planungsausschuss
24.02.2015 
Sitzung des Planungsausschusses geändert beschlossen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

Sachverhalt:

 

Die Mellingburger Schleuse war ein Hotel-Restaurant, welches sich aus einem im Jahre 1717 erbauten Gasthaus für Treidelschiffer entwickelt hatte. Die Anlage besteht aus reetgedeckten Gebäuden an einem Ort von historischer Bedeutung. Schon zwischen 700 und 800 nach Christus wurde hier auf dem Hals der Halbinsel an der Alster eine kleine Volksfluchtburg errichtet.

 

Die bisherige Nutzung als Hotel-Restaurant und bedeutendes Ausflugsziel wurde durch den Eigentümer nun aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben. Die Wanderwege und der vorhandene Naturraum sind aber weiterhin ein beliebtes Naherholungsziel, wo Natur in Hamburg noch erlebt werden kann. Ein ggf. drohender Verfall der Gebäude durch die Nutzungsaufgabe sollte verhindert werden.

 

Aus wirtschaftlichen Gründen kommt der Betrieb eines Ausflugslokals nicht mehr in Betracht und auch andere gewerbliche oder landwirtschaftliche Nutzungen an diesem Standort sollten wegen der damit verbundenen Eingriffe in die Natur nicht etabliert werden. Da es bereits in der Vergangenheit durch den Hotelbetrieb wohnähnliche Verhältnisse gegeben hat, erscheint eine Nutzungsänderung für Wohnzwecke eine geeignete Form zu sein, um die Gebäude zu erhalten und vor einem Verfall zu bewahren.

 

Aufgrund des einzigartigen Naturraums muss bei einer zukünftigen Nutzung auch auf einen Einklang mit der Natur geachtet werden. Die Gebäude befinden sich in direkter Umgebung zum Feuchtraumbiotop rund um den Alsterlauf und zu einem Trockenlebensraum auf der Halbinsel der Alsterschleife. Eine Anpassung der Nutzung kann daher nur behutsam und durch die Begleitung von Experten erfolgen. Dabei könnten auch beispielhafte Projekte wie die bereits an anderer Stelle der Alster auf einigen Grundstücken erfolgte Uferabflachung im Gespräch mit den Anwohnern auch hier fortgeführt werden.

 

Der Planungsausschuss möge folgendes beschließen:

 


Petitum/Beschluss:

 

1. Die Verwaltung wird gebeten, ein Bebauungsplanverfahren mit dem Ziel einer Wohnnutzung der vorhandenen Gebäude für den Bereich der Mellingburger Schleuse (Flurstücke 2529, 3482, 8356, 9043, 9044, 9046, 9048, 9050, 9049, 9587, 9576, 9577, 9588, 9660 – Bereich A in beigefügter Karte) einzuleiten. Zur Sicherung der umliegenden Biotope der Alster und der Halbinsel der Alsterschleife sollen auch diese Flächen samt Uferbereiche beidseitig der Alster in den Bebauungsplan mit aufgenommen werden (Bereich B).

 

2. Im Rahmen des Planverfahrens sollen dabei folgende Punkte vorrangig durch den Bebauungsplan bzw. alternativ durch einen städtebaulichen Vertrag geregelt werden:

a. Zur Vermeidung einer zusätzlichen Versiegelung und einer Vergrößerung soll die Umnutzung nur in den vorhandenen Gebäudekubaturen erfolgen. Aufstockungen, An- oder Neubauten sollen im gesamten Bereich nicht erfolgen.

b. Der Charakter der Gebäude soll erhalten bleiben (z.B. das Reetdach).

c. Die versiegelten Außenflächen (z.B. der Parkplatz) sollen weitestgehend entsiegelt und renaturiert werden. Stellplätze sollten nur so viele angeboten werden, wie Wohnungen eingerichtet werden.

d. Einrichtung mindestens eines Gemeinschaftsraums für eine öffentliche Nutzung.

e. Sicherstellung des Betriebs der öffentlichen Räumlichkeiten.

f. Sicherung und Schutz sämtlicher ökologisch wertvoller Flächen im unter 1. angegebenen Bereich.

 

3. Eine ökologische Verschlechterung durch die Planung ist zu vermeiden. Im Rahmen der Planung sind daher die Naturschutzverbände (wie z.B. NABU, BUND, Projekt „Lebendige Alster“) zu beteiligen und deren Hinweise zu berücksichtigen. Den Naturschutzverbänden soll die Gelegenheit gegeben werden, ihre Hinweise dem Planungsausschuss vorzustellen.

 

4. Die Verwaltung wird außerdem gebeten, im Rahmen des Bebauungsplanes im Gespräch mit den Anliegern der Alster und den Naturschutzverbänden zu prüfen, ob und wenn ja, wie eine naturnahe Uferentwicklung in diesem Bereich auch auf privaten Grundstücken erfolgen könnte.

 


Anlage/n:

Auszug aus der Flurkarte des Geoportals