Bezirksversammlung Wandsbek

Drucksache - 20-1292  

 
 
Betreff: Weitere Angebote für eine Willkommenskultur in den Wandsbeker Flüchtlingsunterkünften schaffen
Debattenantrag der Fraktion Die Linke
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Wandsbek
11.06.2015 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek überwiesen   
Ausschuss für Soziales und Bildung
06.07.2015 
Sitzung des Ausschusses für Soziales und Bildung vertagt   
08.07.2015 
Sitzung des Ausschusses für Soziales und Bildung vertagt   
14.09.2015 
Sitzung des Ausschusses für Soziales und Bildung vertagt   
12.10.2015 
Sitzung des Ausschusses für Soziales und Bildung zurückgezogen / erledigt   
Ausschuss für Soziales und Bildung
Ausschuss für Soziales und Bildung

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

Sachverhalt:

Menschen flüchten aufgrund von Hunger, Krieg, Not, politischer Verfolgung, Elend und Diskriminierung in unsere Stadt. Sie suchen Zuflucht und brauchen in Hamburg und Wandsbek eine Perspektive für Wohnen, Leben und Bildung im Stadtteil, d. h. dass sie auch in unserem Bezirk

Wandsbek für einen längeren Zeitraum leben werden. Für diese Perspektive sollten Angebote geschaffen werden, was im Übergang auch für die Gemeinschaftsunterkünfte in Wandsbek gilt. Dies ist ein Gebot der Menschlichkeit.

Wandsbek hat zur Zeit 18 Flüchtlingsunterkünfte mit ca. 2000 Menschen. Die Belegung in den verschiedenen Unterbringungen, teils in Containern, mit Familien, Kindern, Alten, Kranken, Schwangeren und Einzelpersonen aus rund 13 Nationen (große Anteile aus Syrien, Afghanistan und Westbalkan) ist immer wieder beeinträchtigt durch unterschiedliche Probleme. Sei es durch

rassistische Anfeindungen wie z. B. Farmsen-Berne, sei es durch Unzulänglichkeiten der Gebäude, wie zu große Unterkünfte, lange Gänge, Sammelduschen wie in Farmsen II, Containerbereiche wie in der Litzowstraße und Gemeinschaftsküchen.

Erfreulich ist die große Unterstützung der Flüchtlinge durch viele Helferinnen und Helfer, seien es AnwohnerInnen oder auch Vereine aus Farmsen, Berne, Wandsbek und Poppenbüttel. Die Unterbringungsbedingungen wie in den großen Unterkünften Farmsen I, Farmsen II und in der Litzowstraße bedingen jedoch für die geflüchteten Menschen, Familien und vielen Kindern eine Reihe von zusätzlichen Problemen, die sich aus der Flüchtlingsgeschichte ergeben. Die Traumatisierung der geflüchteten Menschen erfordert eine wesentlich bessere Ausstattung und medizinisch- wie psychologische Betreuung.

Um jedoch die Situation der Flüchtlinge und das Zusammenleben mit den Anwohnerinnen und

Anwohnern in den betreffenden Stadtteilen Wandsbeks zu verbessern ist eine umfassende Bereitstellung von Ressourcen nötig.

Die zusätzlichen Mittel der BASFI für die ehrenamtliche Begleitung von Flüchtlingen, die nach

Beschluss der Bezirksversammlung hoffentlich auch in den nächsten Jahren zur Verfügung stehen, verbessern die Rahmenbedingungen des Ehrenamts. Wir erhoffen dabei auch, dass die Menschen ihre persönlichen Angelegenheiten dadurch mehr in die eigene Hand nehmen können. Dies kann DolmetscherInnen und professionelle Betreuung aber nicht ersetzen. Administrative Angelegenheiten wie z. B. Anmeldung bei Schule und Kita, aufenthaltsrechtliche und gesundheitliche Fragen sollten reibungsloser und menschenwürdiger geregelt werden. Dies kann, wie in Wandsbek immer wieder deutlich wird, durch den Personalschlüssel von f & w und Ehrenamt alleine nicht geleistet werden.

Durch das Angebot einer psychologischen Unterstützung/Krisenintervention, die es bisher vor Ort in Wandsbek nicht gibt, können die traumatisierten Menschen in Krisen stabilisiert werden. Psychische Stabilität als notwendige Grundlage einer Inklusion kann so erreicht werden. Sicherlich wäre für die Koordination ein Traumazentrum in Hamburg hilfreich.

Durch den Einsatz professioneller DolmetscherInnen können Verständigungsprobleme, die sonst in großen Unterbringungen wie Litzowstraße und Farmsen zu Konflikten sowie psychischen und gesundheitlichen Belastungen führen, ausgeräumt werden. Das Personal von f & w macht in manchen Unterkünften Wandsbeks bereits Überstunden und kommt sprachlich gerade so zurecht. Grundsätzlich ist der Zugang zur Gesundheitsversorgung höchst problematisch. Um in akuten Fällen erste Hilfe leisten zu können und eine etwaige Weiterbehandlung sicherzustellen, ist eine dauernd besetzte Anlaufstelle mit einer medizinischen Fachkraft vonnöten. Hier könnte z. B. eine der vielen Fachkräfte mit Migrationshintergrund gut geeignet sein. In der Unterkunft Farmsen z. B. wurden nachts häufig Notarzt und Feuerwehr gerufen und der nun eingesetzte Sicherheitsdienst ist fachlich überfordert. Es gibt hier viele Flüchtlinge die herzkrank, kriegsverletzt und traumatisiert sind und einige schwangere Frauen.

 


Petitum/Beschluss:

Die Vorsitzenden der Bezirksversammlung und der Bezirksamtsleiter werden gebeten, sich bei den zuständigen Fachbehörden für Maßnahmen in den Wandsbeker Gemeinschaftsunterkünften einzusetzen, die folgende Punkte sicherstellen:

 

  1. Die Versorgung mit Angeboten der Sozialarbeit inkl. DolmetscherInnen und Rechtsberatung in den Wandsbeker Flüchtlingsunterkünften verstärken.
  2. Informationen zu den Anmeldungen an den Wandsbeker Schulen und Kindertagesstätten in entsprechenden Muttersprachen in den Unterkünften auszulegen.
  3. Möglichkeiten der traumapsychologischen Betreuung und Krisenintervention nach Bedarf zu schaffen. Als ersten Schritt innerhalb der nächsten vier bis fünf Monate eine Bestandsaufnahme des Gesundheitsamtes über traumatisierte Flüchtlinge in Wandsbek anzufertigen.
  4. Durchgehend primäre medizinische Betreuung in der Unterkunft Farmsen sowie auch in anderen größeren Unterkünften Wandsbeks (medizinische Fachkraft z. B. Krankenpfleger/in mit Migrationshintergrund) zu sichern. Mindestens jedoch abends und nachts, da hier hoher Bedarf besteht.
  5. Unabhängige Beschwerdestelle für Vorfälle von psychischer und physischer Gewalt, insbesondere für Frauen, ortsnah schaffen solange Gemeinschaftsunterkünfte in Wandsbek existieren.

 


Anlage/n:

keine Anlage/n