Bezirksversammlung Wandsbek

Drucksache - 20-1633.1  

 
 
Betreff: Zukunftsbäume für Wandsbek
Beschlussvorlage des Ausschusses für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
Status:öffentlichDrucksache-Art:Beschlussvorlage
  Bezüglich:
20-1633
Federführend:Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt Beteiligt:Dezernat Steuerung und Service
    Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung
   Fachamt Management des öffentlichen Raumes
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Wandsbek
17.09.2015 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek ungeändert beschlossen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

Sachverhalt:

 

-          Ursprünglich als interfraktioneller Antrag der SPD-Fraktion und GRÜNEN-Fraktion (Drs. 20-1633) im Ausschuss für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz am 15.09.2015.

 

-          In punktweiser Abstimmung wie folgt beschlossen:

 

1. Einstimmig

2. Einstimmig, bei Enthaltung der CDU-Fraktion

3. Einstimmig, bei Enthaltung der CDU-Fraktion

4. Einstimmig, bei Enthaltung der CDU-Fraktion

5. Einstimmig

6. Einstimmig

7. Einstimmig, bei Enthaltung der CDU-Fraktion

8. Einstimmig vertagt (ein Ersetzungsantrag ist vorgesehen)

 

 

Großstädte sind Extremstandorte für Bäume. Insbesondere die Straßenbäume leiden unter mangelndem Wurzelraum, zu wenig Wasser, Luft und Nährstoffen. Dazu kommen zukünftig noch Folgen des Klimawandels v.a. höhere Temperaturen und längere Trockenperioden. Eine sorgfältige Auswahl nachzupflanzender Bäume ist also unerlässlich. Eine oft zitierte Liste für empfehlenswerte Bäume ist die sog. GALK- Liste (Liste der Gartenamtsleiterkonferenz). Diese Liste berücksichtigt die Qualität der Gehölze und ihre Eignung für den „Extremstandort Straßenrand“, auch im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Bei den Kriterien geht es hauptsächlich um morphologische und physiologische Eigenschaften, Standortansprüche, Verkehrssicherheit und gärtnerischen Aufwand. Die Tatsache, dass Bäume auch Lebensume für viele Tierarten sind bzw. sein können, findet leider keine Berücksichtigung. Dabei hängt gerade die Zahl der Tierarten ganz stark von den Baumarten ab wobei auf heimischen Bäumen in der Regel sehr viel mehr Tierarten und eine größere Gesamtanzahl von Tieren anzutreffen sind als auf fremdndischen. Außerdem gibt es Tierarten, die zumindest in bestimmten Lebensphasen auf ganz bestimmte heimische Gehölzarten angewiesen sind d.h. mit dem Verschwinden dieser Bäume wird für diese Tierarten die Gefahr des Aussterbens erhöht.

 

Wir bitten deshalb darum, wo immer die Standortbedingungen es zulassen, heimische Baumarten  zu pflanzen. Auch der Hamburger Naturschutzrat äert sich dazu in einer Veröffentlichung vom Januar 2015: bei Straßenbäumen sollte man „dem lebensfeindlichen Standort angepasste heimische Arten oder Sorten wählen oder wenn es diese nicht gibt auf nichtheimische Arten ausweichen“. Und weiter: „Sofern nichtheimische Arten zur Auswahl stehen, sollten solche bevorzugt werden, die möglichst wenig an leicht flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen emittieren, um die Ozon- und Partikelbildung in der Stadtluft nicht zu verstärken.“

 

Da in den letzten Jahren in verschiedenen Veröffentlichungen über eine erhöhte Schadensanlligkeit bei den Zuchtformen berichtet wird und auch über einen Verlust  der genetischen Variationsbreite, sollten sowohl bei den heimischen als auch bei nicht einheimischen Bäumen möglichst die reinen Arten gepflanzt werden.

Zitate dazu:

 

Im Vergleich zu den reinen Arten lässt sich in der Regel ebenfalls eine höhere Schadenshäufigkeit der Sorten beobachten.“

(aus http://www.galk.de/arbeitskreise/ak_stadtbaeume/down/a_stammschden_muenchen2005.pdf)

 

und

In diesem Zusammenhang ist auch zu überlegen, ob, soweit es die Wuchsform der Baumart zulässt, nicht wieder vermehrt die reine Art statt einer geklonten Sorte mit einer breiteren genetischen Amplitude verwendet werden sollte“.

(aus http://www.zeitschrift-aussenraum.de/images/leseproben/Stadtbaeume_im_Test.pdf

Zitat von Dr. Susanne Böll, seit 2009 Betreuung des Projektes „Stadtgrün 2021")

 

Bei unseren Recherchen für eine „Erweiterung der GALK-Liste“ sind wir u.a. auf  die „sseldorfer Zukunftsbaumliste“ gestoßen. Hier sind neben der GALK-Liste noch die KLAM-Werte (KlimaArtenMatrix für Stadtbäume, Roloff), die Eignung als Bienenweide (BUND) sowie „eigene“ Erfahrungen eingeflossen entstanden ist eine Straßenbaumliste mit vielen umfangreichen Informationen als Entscheidungshilfe für Nachpflanzungen.

Vor diesem Hintergrund haben wir das folgende Petitum formuliert in das auch einige Forderungen des Hamburger Naturschutzrates eingeflossen sind:

 


Petitum/Beschluss:

Die Verwaltung wird daher gebeten,

 

  1. wo immer möglich, heimische Arten oder Sorten zu pflanzen und nur vereinzelt auf nicht heimische Arten auszuweichen.
  2. wo aufgrund extremer Standortbedingungen keine heimischen Bäume infrage kommen,  nichtheimische Arten auszuwählen, die möglichst wenig an leicht flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen emittieren, um die Ozon- und Partikelbildung in der Stadtluft nicht zu verstärken.
  3. wo immer möglich, statt moderner Zuchtformen die reine Art zu pflanzen.
  4. bei der Auswahl der Bäume auch auf die Qualität als Lebensraum für Tiere zu achten als Index hierfür könnte z. B. die Eignung als Bienenweide und Vogelgehölz dienen.
  5. dem Erhalt alter Bäume immer Priorität einzuräumen, weil ein neu gepflanzter Baum für lange Zeit nicht den ökologischen Wert eines Altbaumes ersetzen kann.
  6. besonders bei Neuplanungen ausreichend Wurzelraum miteinzuplanen und Baumscheiben so zu gestalten, dass sie größtmöglichen Schutz vor mechanischen Beschädigungen und Versickerungsmöglichkeit von Niederschlägen bieten.
  7. aus der GALK-Liste möglichst die heimischen Arten zu berücksichtigen und sich zusätzlich an der Düsseldorfer Zukunftsbaumliste zu orientieren.

      www.duesseldorf.de/baumspende/download/broschuere_zukunftsbaumliste.pdf.

 


Anlage/n:

keine Anlage/n 

Stammbaum:
20-1633   Zukunftsbäume für Wandsbek Antrag der Fraktionen SPD und Die Grünen   Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt   Antrag
20-1633.1   Zukunftsbäume für Wandsbek Beschlussvorlage des Ausschusses für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz   Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt   Beschlussvorlage