Bezirksversammlung Wandsbek

Drucksache - 20-6317  

 
 
Betreff: Straßenbaumbestand in Wandsbek sichern (BV-Beschluss vom 30.11.2017 Drs. 20-5016.1)
Status:öffentlichDrucksache-Art:Mitteilungsvorlage Bezirksamt
Federführend:Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
04.09.2018 
Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

Sachverhalt:

 

Folgender Beschluss wurde gefasst:

 

Das Bezirksamt wird aufgefordert

1. ein Konzept zu erarbeiten, wie das bestehende Defizit zwischen Baumfällungen und –nachpflanzungen von ca. 2.800 Bäumen innerhalb der nächsten 5 Jahre deutlich verbessert werden kann. U.a. sollen

1.1 freie Standorte für Straßenbäume (z.B.: aus „Mein Baum-Meine Stadt “) zügig nachgepflanzt werden

1.2 weitere Standorte im Bezirk unter Einbeziehung der Regionalausschüsse gesucht werden

 

Die Ergebnisse sind dem UGV bis spätestens Ende des 2. Quartals 2018 vorzulegen.

 

2. jeweils zum 1. Juni jeden Jahres eine Bilanz der gefällten und nachgepflanzten Bäume vorzulegen.

 

 

Das Bezirksamt merkt vorab an, dass Bilanzen des“ Stämmezählens“ für wenig zielführend gehalten werden. Vor allem bei flächenhaften Straßenbaumbeständen wie Knicks handelt es sich um ein dynamisches System. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen:

Ein Grundstück von 1.000m2 wird mit 1.000 kniehohen Eichenjungpflanzen bepflanzt. Nach 10 Jahren sind die Eichen deutlich gewachsen. Es stehen noch 100 Eichen. 900 Eichen wurden entnommen, damit sich die verbleibenden entwickeln können. Nach 50 Jahren stehen noch 10 Eichen. Nach 100 Jahren wird das Grundstück von einer großen Solitäreiche bestanden. Nach der Logik des „Stämmezählens“ würde nach 100 Jahren ein „Verlust“ von 999 Bäumen eingetreten sein, obwohl das Grünvolumen und de ökoklogische Wert zugenommen haben.

 

Zu 1.

Grundsätzlich pflanzt das Fachamt MR jeden Straßenbaum nach, wenn es möglich und sinnvoll ist. Oft entfallen aber die Baumstandorte dauerhaft (z.B. für Überfahrten, Feuewehr-aufstellfächen u.ä.) oder temporär (z.B. bei Dichtständen)- siehe Drs. 20-4760 -, so dass ein 1:1-Ersatz nicht möglich ist und ein neuer Standort gefunden werden muss. Genau an dieser Stelle liegt das Hauptproblem: Es gibt nicht genügend neue Baumstandorte. Es kommt zu einem strukturellen Defizit, das bereits in der Drs. 20-4760 dargestellt wurde.

 

Das Defizit kann nur beseitigt werden, wenn die entfallenden Baumstandorte durch die Schaffung neuer Baumstandorte kompensiert werden.

 

Neue Baumstandorte im Straßenraum stehen i.d.R. in Konkurrenz zu anderen Nutzern des Straßenraumes. Aktuell erfolgen erhebliche Bautätigkeiten im öffentlichen Raum, u.a. als Folge des Wohnungsbaus. Es ist eine steigende Konkurrenz mit den Raumbedürfnissen des ruhenden Verkehrs zu verzeichnen. Die Anzahl der PKW in Hamburg nimmt zu. Obwohl die Straßenbauvorschriften nur „Besucherparkstände“ im Straßenraum vorsehen und somit die eigenen Fahrzeuge auf einem privaten Stellplatz unterzubringen wären, sieht die Praxis anders aus. Der ruhende Verkehr nimmt zunehmend den Straßenraum ein und dominiert inzwischen das Bild der meisten Straßen.

 

Unter diesen Umständen lässt sich der Abbau des bestehenden strukturellen Defizits zwischen Baumfällungen und –nachpflanzungen nur unter ganz bestimmten Prämissen umsetzen.

 

Die maßgebliche Möglichkeit hierzu besteht durch Schaffung von Baumstandorten im Rahmen von anstehenden baulichen Veränderungen im Straßenraum. Dies setzt allerdings einen entsprechenden politischen Willen voraus.

 

Das Bezirksamt schlägt deshalb vor, dass alle Planungen im Straßenraum (einschl. Planungen des LSBG), die dem WVA vorgelegt werden, künftig zwei Baumbilanzen (entfallende Bäume/neue Bäume) ausweisen müssen:

 

-          Baumbilanz der vorgesehenen Planung (wird bereits jetzt vorgelegt),

-          „Baumoptimierte“ Bilanz, wo alle möglichen Baumstandorte, ggf. auch auf Kosten des ruhenden Verkehrs, ausgeschöpft werden.

-           

Die politischen Gremien können auf dieser Grundlage abwägen, in welchem Umfang  Bäume zu Lasten anderer Nutzungen vorgesehen werden sollen. Hierbei ist zu bedenken, dass die Bilanz nicht nur innerhalb der vorgelegten Planungen ausgeglichen sein muss, sondern jede Planung zum Ausgleich des strukturellen Defizites ein möglichst großes Plus an neuen Bäumen aufweisen sollte.

 

Daneben wird das Bezirksamt auf den wenig verbleibenden Flächen im Straßenraum Ersatzpflanzungen sukzessive -wie auch heute schon - vornehmen. Ferner werden in Neubaugebieten Straßenbaumpflanzungen vorgenommen. Schließlich wird das Defizit durch Naturaufwuchs in flächenhaften Beständen, meist Knickbestände, im Außenbereich reduziert.

Dies allein führt jedoch nicht zu einer entscheidend Kehrtwende und Verringerung des strukturellen Defizites zwischen Fällung und Neupflanzung.

 

 

 

Zu 2.

 

Zeitraum / Datum

Im Baumkataster registrierte Baumfällungen

Im Baumkataster registrierte Baumpflanzungen

Bilanz

01.06.2017 bis 31.05.2018

529

489

-40

 

 

 

 

 

 


Petitum/Beschluss:

Der Ausschuss wird um Kenntnisnahme gebeten.

 


Anlage/n:

keine Anlage/n