Bezirksversammlung Wandsbek

Drucksache - 19/2316  

 
 
Betreff: Wildwechsel Großstadt - drohen in Hamburg Berliner Verhältnisse?
Status:öffentlichDrucksache-Art:Anfrage gem. § 27 BezVG
  Aktenzeichen:123.30-10
Federführend:Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Wandsbek
16.08.2012 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek ungeändert beschlossen   
Regionalausschuss Walddörfer
30.08.2012 
Sitzung des Regionalausschusses Walddörfer ungeändert beschlossen   

Sachverhalt
Anlage/n

Freie und Hansestadt Hamburg

Bezirksamt Wandsbek

Bezirksversammlung

 

Az. 123.30-10              Drucksachen-Nr. 19/2316

              27.06.2012


 

Anfrage

gem. § 27 Bezirksverwaltungsgesetz

- öffentlich -


Dr. Klaus Fischer, Helga Daniel, Klaus-Dieter Abend und Brigitte Lafrenz (FDP)


 

Beratungsfolge

am

Top

Bezirksversammlung

16.08.2012

12.8

Regionalausschuss Walddörfer

30.08.2012

7.1

 


!Titel!


Wildwechsel Großstadt – drohen in Hamburg Berliner Verhältnisse?


!Titel!


 


 


Sachverhalt/Fragen

 


In den letzten Jahren haben spektakuläre Ausflüge insbesondere von Schwarzwild in Hamburg und Wandsbek immer mehr zugenommen. Erinnert sei an den Sprung eines Wildschweins in ein Volksdorfer Büro durch die geschlossene Fensterscheibe vor 2 Jahren sowie an die Wanderung dreier Wildschweine bis zu den Deichtorhallen vor einigen Wochen.

In Berlin kann man in einigen Stadtbezirken von einer regelrechten Wildschweinplage sprechen. Zerwühlte Gärten und sogar Angriffe von Schwarzwild auf Passanten gehören dort zum Alltag.

 

Wir fragen daher die Verwaltung:

Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation antwortet wie folgt:                                          20.07.2012

 

Vorbemerkungen:

Die in der Anfrage sogenannten „Berliner Verhältnisse“ beziehen sich auf Erlebnisse von  Einwohnerinnen und Einwohnern der Landeshauptstadt Berlin, welche sie insbesondere im Zusammenleben mit Wildschweinen machen mussten. Das grundlegende Problem ist dort die schon traditionsreiche Fütterung von wildlebenden Tieren. Vor allem die Wildschweine haben diese schier unerschöpfliche Nahrungsquelle im Stadtgebiet für sich entdeckt und im Laufe mehrerer Wildschweingenerationen die natürliche Scheu vor dem Menschen verloren. Ihre Verhaltensänderung führt zu viel häufigeren direkten Begegnungen mit Menschen als zum Beispiel in Hamburg, wo sich das Füttern auf Entenvögel und Schwäne konzentriert.

Die wichtigste Maßnahme um derartige Verhältnisse in Hamburg gar nicht erst entstehen zu lassen, wäre die Unterbindung jeglicher Fütterung von Schalenwild. Sollten den Behörden Erkenntnisse über derartige menschliche Verhaltensweisen vorliegen, müssten entsprechende Maßnahmen konzipiert und umgesetzt werden.

 

Hamburg ist in 4 Jagdkreise eingeteilt.

Jagdkreis 1              (Altona und Eimsbüttel, 10 Jagdbezirke)

Jagdkreis 2              (Wandsbek, 10 Jagdbezirke; der Bezirk Nord ist insgesamt ein befriedeter

                            Bezirk und wird nur durch Stadtjäger bejagt)

Jagdkreis 3              (Bergedorf und Hamburg-Mitte [ohne Wilhelmsburg, Waltershof und

                            Finkenwerder], 32 Jagdbezirke)

Jagdkreis 4 (Harburg und Wilhelmsburg, Waltershof und Finkenwerder, 18 Jagdbezirke)

 

Die Flächen außerhalb der Jagdbezirke (allgemein als Jagdreviere bezeichnet) sind befriedete Bezirke, in denen grundsätzlich nur die Jagd auf Kaninchen und Steinmarder durch Stadtjäger erfolgt, welche durch die Behörde für Inneres und Sport bestellt werden. Die Jagd auf andere Wildarten zur Schadensabwehr ist dort nur mit behördlicher Genehmigung möglich.

 

1.   Wie haben sich die Bestände insbesondere an Schwarzwild und Rehwild in Hamburg und Wandsbek in den letzten 10 Jahren entwickelt (bitte nach Revieren, Hegeringen bzw. Förstereien aufteilen)?

Wie haben sich die Abschusszahlen an Schwarzwild und Rehwild in Hamburg bzw. Wandsbek in den letzten 10 Jahren entwickelt (bitte ebenfalls nach Revieren, Hegeringen bzw. Förstereien aufteilen)?

Zu 1. und 2.:

Über die Bestandsentwicklung der Schalenwildbestände liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor, da keine validen Bestandserfassungen vorgenommen werden können.

Für die letzten 10 Jahre liegen die Streckenmeldungen (siehe Anlage) nur für das gesamte Hamburger Stadtgebiet vor. Diese umfassen die geschossenen und die tot aufgefundenen Tiere (Fallwild). Für die letzten sieben Jagdjahre liegen der Fachbehörde darüber hinaus noch die Streckenmeldungen der vier Jagdkreise vor. Die Zahlen für Wandsbek entsprechen dabei im Wesentlichen dem Jagdkreis II. Detailliertere Angaben zu den Revierförstereien können bei den Bezirksverwaltungen oder beim Zentralen Forstdienst im Bezirksamt Harburg erfragt werden.

 

2.   Wie viel Personal stand für die Jagd in Hamburg bzw. Wandsbek in den letzten 10 Jahren zur Verfügung? Welchen Anteil seiner Zeit konnte das vorhandene Personal für Jagdaufgaben einsetzen?

Handelt es sich bei den Jägern ausschließlich um öffentlich Bedienstete oder gibt es im Bereich Wandsbek auch private Jagdpächter und wenn ja, wo und wie viele?

Zu 3. und 4.:

Über die Anzahl der in den Landes- bzw. Bezirksgrenzen jagenden Personen liegen der Fachbehörde keine Zahlen vor, da sich die Jagdausübungsberechtigten weiterer Jägerinnen und Jäger zur ihrer Unterstützung bedienen können. Die Jagd wird, mit Ausnahme der großen zusammenhängenden Waldflächen im Eigentum der Freien und Hansestadt Hamburg, in Hamburg ausschließlich sowohl in den Pachtrevieren als auch in den befriedeten Bezirken durch Privatpersonen ausgeübt. Über die Zeitanteile für Jagdaufgaben von Privatpersonen kann die Fachbehörde naturgemäß keine Auskunft geben; die Frage der Zeitanteile der öffentlichen Bediensteten der acht Revierförstereien kann nur im Zuständigkeitsbereich der jeweiligen Bezirksverwaltung beantwortet werden.

 

3.   Gibt es im Bereich der Jagd eine Zusammenarbeit mit Schleswig-Holstein, dem an Wandsbek angrenzenden Kreis Stormarn oder Gemeinden im Kreis Stormarn und wenn ja, in welcher Form?

Zur Sicherung eines gesunden Wildbestandes an Rot-, Dam- und Schwarzwild unter Beachtung der landschaftlichen, landeskulturellen und naturschutzfachlichen Rahmenbedingungen haben sich 27 Jagdbezirke im Kreis Stormarn und im Bezirk Wandsbek zu einer Hegegemeinschaft "Bargteheide/Duvenstedter Brook" zusammengeschlossen. Im Übrigen erfolgt eine Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Jagdausübungsberechtigten zur Bejagung der anderen Wildarten im Rahmen des Jagdrechts und der geübten Jagdpraxis.

 

4.   Wie ist der Entwicklung von Beständen und Abschusszahlen bei Schwarz- und Rehwild im Kreis Stormarn?

Diese Frage kann nur durch die Untere Jagdbehörde des Kreises Stormarn beantwortet werden. Hierfür ist eine offizielle Anfrage an den Kreis Storman zu richten.

 

5.   Wie schätzt die Verwaltung die weitere Entwicklung der Schwarz- und Rehwildbestände in Wandsbek sowie auch die Risiken von zunehmenden Wildwechseln aus Stormarner Gebiet ein und welche Faktoren beeinflussen aus Sicht der Verwaltung die Entwicklung dieser Wildbestände vor allem?

Die Entwicklung der Schwarzwildbestände hängt in erster Linie von den natürlichen Bedingungen ab, insbesondere Wetter und Futterangebot. Eine Einschätzung ist daher nicht möglich.

Die Entwicklung der Rehwildbestände unterliegt, noch stärker als beim Schwarzwild, den Wetterbedingungen und dem Nahrungsangebot.

Das Ziel der Verwaltung ist es, durch konsequente Bejagung die Schwarz- und Rehwildbestände in den Randgebieten Hamburgs nicht über einen kritischen Schwellenwert gelangen zu lassen, ab welchem abwandernde Individuen in die ungeeigneten Lebensräume der Innenstadt auszuweichen versuchen. Es gibt derzeit keine Anzeichen, dass dieser kritische Schwellenwert erreicht worden ist. Das Wanderverhalten einzelner Tiere lässt sich mit keinen Mitteln vorbeugend unterbinden.

 

6.   Plant die Verwaltung vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung von „Berliner Verhältnissen“ im Bereich Schwarzwild und wenn ja, welche?

Die Fachbehörde plant derzeit mangels Erfordernis keine vorbeugenden Maßnahmen. Im Übrigen siehe Vorbemerkung.


 


 


 


 

Anlage/n:

Anlage