Bezirksversammlung Wandsbek

Drucksache - 19/3181  

 
 
Betreff: Nutzung und Bebauung der Deponiefläche "Neusurenland" in Hamburg-Farmsen
Status:öffentlichDrucksache-Art:Anfrage gem. § 27 BezVG
Federführend:Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Wandsbek
24.01.2013 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek ungeändert beschlossen   
Bezirksversammlung Wandsbek
04.04.2013 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek ungeändert beschlossen   
Ausschuss für soziale Stadtentwicklung
08.04.2013 
Sitzung des Ausschusses für soziale Stadtentwicklung ungeändert beschlossen   

Sachverhalt
Anlage/n

Freie und Hansestadt Hamburg

Bezirksamt Wandsbek

Bezirksversammlung

 

Az.               Drucksachen-Nr. 19/3181

              17.01.2013


 

Anfrage

gem. § 27 Bezirksverwaltungsgesetz

- öffentlich -


Susanne Zechendorf, Astrid Boberg, Wolfgang Johannsen, Karin Jung, Joachim Nack, Dennis Paustian, Cornelia Stoye (für die Grünen)


 

Beratungsfolge

am

Top

Bezirksversammlung

24.01.2013

15.5

Bezirksversammlung

04.04.2013

14.3

Ausschuss für soziale Stadtentwicklung

08.04.2013

5.2

 


!Titel!


Nutzung und Bebauung der Deponiefläche „Neusurenland“ in Hamburg-Farmsen


!Titel!


 


 


Sachverhalt/Fragen

 


In Hamburg Farmsen befindet sich in der Straße „Neusurenland“ eine Fläche einer alten Tongrube, die bis 1966 mit Haus-, Sperrmüll, Bodenaushub, Bauschutt und Industriemüll (Industrieöl­rückstände, Ölharze bestehend aus Verbrennungsruß mit Schwefelsäureresten und öligen Bestandteilen, Tankstellen­rückstände, Schmierölrückstände, Teerprodukte, flüssige Reinigungsrückstände von Entfettungsbädern) verfüllt wurde. Die Fläche wurde bisher als Sportstätte genutzt. Auf der Fläche befindet sich ein Vereinshaus des Sportvereins mit einer Bewirtung. Die Presse berichtete, dass die Umweltbehörde die Auflage gemacht hat, dass das Vereinshaus nur weiter genutzt werden kann, wenn der Keller des Gebäudes gegen die entstehenden Deponiegase mit einem zusätzlichen Betonboden versehen wird.

Aus GRÜNER Sicht wäre eine Bebauung der Fläche sinnvoll, sofern dadurch eine Sanierung durch vollständiges Entfernen der dort vorhandenen Schadstoffe finanziert werden kann.

Eine Antwort einer kleinen Anfrage an den Senat sagt aus, dass der Schadstoffgehalt im Boden die Prüfwerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung überschreitet (vgl. Drucksache 20/5736).

Gleichzeitig geht der Senat in seiner Antwort aber davon aus, dass eine Sportnutzung aus Sicht der Gefahrenabwehr möglich ist.

Im Zusammenhang mit verschiedenen Deponieflächen im Wandsbeker Raum taucht auch wiederholt die Vermutung auf, dass Abfälle aus den im Bereich des Friedrich-Ebert-Damms ansässigen Chemiefirmen in die damals vorhandenen Kies- und Tongruben entsorgt wurden. Da die Chemieunternehmen bis heute hoch krebserregende Stoffe, wie beispielsweise Phenolverbindungen verarbeiten, müssen Untersuchungen solcher Deponieflächen mit sehr hoher Sorgfalt durchgeführt werden.

Aus den bisherigen Antworten (vgl. Drucksache 20/5736 und 18/0953) gehen nur zusammengefasste Angaben für die Schwermetalle und einige Stoffgruppen hervor. Wir fragen daher die Verwaltung:

 

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) beantwortet die Fragen zu den Ziffern 1. bis 6. sowie 8. unter Beteiligung der Finanzbehörde (FB) wie folgt:

 

 

1.      Unterlagen zur Verfüllung:

a.     Liegen Unterlagen aus der Zeit der Verfüllung der Tongrube vor?

b.     Wenn ja, welche Stoffe wurden zur Verfüllung eingebracht und woher stammen die Stoffe?
(Bitte auch die Quelle der Informationen angeben)

c.     Welche Entsorgungsunternehmen haben die Verfüllung vorgenommen?

 

Wie damals üblich, wurde nicht dokumentiert, welche und wie viele Stoffe wann, wo und von wem eingebaut wurden.

Nach Aktenlage ist die Deponie Neusurenland ab den 40er Jahren bis 1966 mit Hausmüll sowie Gewerbe- und Industriemüll verfüllt worden.

 

       1941 erfolgte durch die Eigentümer bereits vor Einstellung des Tonabbaus gegen Entgelt eine Einlagerung von Schutt und Unrat,

bis 1948 wilde Ablagerungen von Unrat, Schrott etc.,

       ab 1948 Einlagerungen gegen Entgelt an den Grundeigentümer,

von 1948 bis 1957 auch größere Einlagerungen von der Stadtreinigung (unbekannt, ob gegen Entgelt),

       1950 – 1960 Hinweise auf Industrieöl-Rückstände der Fa. Weiss & Co., ca. 5 – 7 t / Woche, Hinweise auf Hausmüll (> 36.000 m³), Schmierölrückstände bzw. Teerprodukte,

       ca. 1960 Hinweise auf Ablagerungen von flüssigen Reinigungsrückständen von Entfettungsbädern,

??ca. 1962/63 Hinweise auf Ablagerung von Tankstellenrückständen durch die Fa. Gareg.

 

Am 28. Juli 1966 wurde der Besitzerin die weitere Verbringung von Böden und anderen Stoffen untersagt.

 

d.     Existiert das Unternehmen, welches die Tongrube verfüllen ließ, oder deren Rechtsnachfolger noch?

Ja.

e.      War eine derartige Verfüllung zum damaligen Zeitpunkt rechtens?

Ja.

Die Deponierung von Abfällen erfolgte z.T. durch die FHH selbst und zumindest ab 1948 mit Duldung der FHH.

 

2.      Flächenankauf:

a.     Wann wurde die Fläche von der Stadt aus welchem Grund aufgekauft?

b.     Wie hoch war der damalige Kaufpreis?

c.     War damals bereits bekannt, dass die Fläche mit Altlasten kontaminiert ist?

 

Bei der Deponiefläche „Neusurenland“ handelt es sich um das Flurstück 5258 belegen Neusurenland 66 in Hamburg-Farmsen. Gemäß Grundbuchauszug (Grundbuch von Farmsen), Blatt 1255, ist die Stadt seit 17. Mai 1967 Eigentümerin (Auflassung vom 6. April 1967) der Fläche.

 

Weitergehende Ankaufsunterlagen, aus denen sich Ankaufsgrund und Kaufpreis ergeben könnten, liegen nicht mehr vor. Die gilt gleichermaßen für etwaige Informationen zur damaligen Altlastensituation der Fläche.

 

 

3.      Untersuchungen:

a.     Welche Untersuchungen wurden bisher auf der Fläche Neusurenland durchgeführt?
(Bitte Datum, Auftraggeber und ausführendes Unternehmen auflisten. Sofern bekannt bitte auch die privat beauftragten Untersuchungen angeben.)

b.    Welche Gutachten über die Ergebnisse der Untersuchungen wurden angefertigt und wer hat diese erstellt?
(Bitte die Gutachten der Antwort beifügen.)

Berichte:

 

1)   Überwachungskonzept Deponie Neusurenland“
Diplom-Geologe Jürgen Kübler-Grziwok, September 1990

 

       Kurzbeschreibung Historie Deponie Neusurenland

       Ergebniszusammenstellung Untersuchungen von Boden u. Grundwasser von 1984 – 1990

       Kurzbeschreibung Geologie und Hydrogeologie (engräumiger Wechsel von Geschiebemergel, Lauenburger Ton und Sanden; keine durchgehend dichtenden Schichten an der Deponiebasis)

       Grundwasserfließrichtung nach Südwesten

       Vorschläge für Überwachung (Neubau von 3 Grundwassermessstellen)

 

2)   Geologisches Kurzgutachten für die ehemalige Deponie Neusurenland“,
FHH Umweltbehörde, Geologisches Landesamt, Mai 1996

 

       Die geologischen Verhältnisse sind kleinräumig sehr unterschiedlich, durchgängige Deckschichten (Basisabdichtung) unterhalb der AAB fehlen. Es gibt zahlreiche Fehlstellen mit hydraulischen Kontakten in tiefere Grundwasserleiter

       Die Grundwasserfließrichtung scheint nach SW gerichtet zu sein

       Die Grundwasserfließgeschwindigkeit ist unbekannt

 

3)   Ehemalige Deponie Neusurenland Verdachtsfläche 7242-01 Bestandsaufnahme“, Ochmann + Partner Geotechnik GmbH vom 10.08.1996

 

       Auswertung aller vorhandenen Unterlagen: Beschreibung der historischen Entwicklung, Auswertung Karten und Luftbilder, Belastung der Pfade Boden, Wasser, Gas, Geologie, Hydrologie

       Gefährdungsabschätzung

       Beschreibung von Erkenntnisdefiziten (Geologie, Hydrogeologie, Schadstoffausbreitung)

       Vorschlag für Untersuchungsprogramm (Bohrungen, Analysen, Stichtagsmessungen)

 

4)   Bericht zu den gastechnischen Untersuchungen auf der Altablagerung 7242-01/00 Neusurenland in Hamburg-Farmsen“, HGC Hamburg Gas Consult GmbH vom 07.09.1997

 

       Bodenluftabsaugversuche zur Ermittlung des Deponiegaspotentials an 2 Gasbrunnen und 8 Kontrollpegeln sowie der Ausbau der Brunnen und Pegel zu Dauermessstellen

 

5)   Ehemalige Deponie Neusurenland Verdachtsfläche 7242-01 Istzustand, Gefährdungsabschätzung, Vorschläge für weiteres Vorgehen“, Ochmann + Partner Geotechnik GmbH vom 15.10.1997

 

       allgemeine Standortbeschreibung

       allgemeine Baugrundbeschreibung

       Dokumentation über die Durchführung von 7 Rammkernsondierungen

       Dokumentation über den Bau der grundwassermessstellen 8274 u. 8275

       Beschreibung der hydrogeologische Rahmenbedingungen

       Belastungssituation Grundwasserbeschaffenheitsmessstellen

       Beschreibung und Diskussion möglicher Sanierungsvarianten

 

Ehemalige Deponie Neusurenland Verdachtsfläche 7242-01 Dokumentation zur Erstellung von zwei Grundwasserbeschaffenheitsmessstellen“, Ochmann + Partner Geotechnik GmbH vom 04.11.1997

11/1997
Bau der Grundwassermessstellen (GWBM) 8343 u. 8344 auf den Gelände des Gymnasiums Farmsen im Abstrom der AAB

 

- 11/1997
Durchführung von Siebanalysen und kf-Wert Bestimmungen von Proben der GWBM 8343 u. 8344 durch das GLA

 

Aufgrund des Umfangs können die Gutachten der Antwort nicht beigefügt werden.

 

c.    Welche Luft-, Wasser- und Bodenschadstoffe wurden in welcher Konzentration gefunden und welcher Grenzwert ist je Stoff zulässig? (Bitte beides auflisten

Bodenluft/Deponiegas

Im Juli 1997 wurde das Gaspotential im Deponiekörper mittels Gasabsaugversuche untersucht. Dazu wurden 2 Gassonden (S1 u. S2; ? 110 mm) sowie 8 Kontrollpegel errichtet (s. Lageplan Gassonden). Im Einzugsbereich der Sonde S2 wurde eine Gasneubildungsrate von ca. 15 m³/h errechnet, die Methankonzentration im Deponiegas lag bei ca. 60 Vol.-%. Im Umfeld der Gassonde S1 betrug die Gasneubildungsrate ca. 50 m³/h und die  Methankonzentration ebenfalls  ca. 60 Vol.-%.

BTEX-Aromaten wiesen Konzentrationen in einer Größenordnung von bis zu 3 mg/m³ auf (Benzol bis 2,6 mg/m³).

Die FCKW- und LCKW-Konzentrationen wiesen typische Verhältnisse für Spurengaszusammensetzungen älterer Deponien auf, wobei die Mehrzahl der Einzelstoffe unterhalb der Nachweisgrenze lag. Vinylchlorid wies mit 18,9 mg/m³ in S1 eine hohe Konzentration auf und liegt damit im oberen Bereich der für ältere Deponien bekannten Konzentrationen.

 

Zwischen 1998 und 2012 fanden an 12 Bodenluftmessstellen (BLMS) insgesamt 9 Deponiegasmessungen mit folgendem Ergebnis statt:

 

Konzentrationsspanne des Deponiegases zwischen 1998 und 2012

BLMS

max.

CH4-Konz.(Vol.-%)

max.

CO2-Konz.(Vol.-%)

min

O2-Konz.(Vol.-%)

1

  4,3 - 42,1

12,0 - 32,5

  0,0 - 5,7

2

65,0 - 82,5

19,8 - 22,7

  0,0 - 0,8

3

43,0 - 54,7

16,8 - 20,4

  0,0 - 0,5

4

  0,0 -  6,4

  8,2 - 15,3

  0,0 - 15,1

5

  0,0

  3,7 - 9,2

12,7-18,4

6

37,9 - 51,2

12,9 - 18,2

  0,0 - 3,2

7

0,0 - 15,7

12,1 -  20,8

  0,0 - 5,4

8

43,7 - 52,9

22,3 - 26,2

  0,0 - 0,5

9

  9,1 - 16,5

10,1 - 13,4

  0,0 - 0,9

10

10,2 - 19,3

11,0 - 13,8

  0,0 - 0,8

11

16,4 - 35,4

19,4 - 30,4

  0,0 - 4,5

12

  0,0 - 0,3

  7,2 - 16,2

  4,5 - 16,8

 

Im anliegenden Lageplan sind die Messergebnisse aus 2012 sowie die Lage der Bodenluftmessstellen dargestellt (siehe Anlage 1 und 2).

Spurengase wurden in dem o.g. Zeitraum nicht analysiert.

Im Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) gibt es für Deponiegase incl. Spurenstoffe keine Grenzwerte.

 

Boden

Wegen der Fülle der Daten, deren Darstellung den Rahmen der Anfrage sprengt, werden im Folgenden die auffälligen Schadstoffgehalte dargestellt.

 

Beim Bau der Grundwassermessstellen 5475 bis 5478 im Herbst 1984 wurden insgesamt 44 Bodenproben entnommen.

 

Aus den Bohrungen der Messstellen 5475 und 5478 liegen aus den Einzelproben Schwermetallanalysen für den Oberboden (0,0 bis 0,5 m) vor. Aus den Bohrungen der Messstellen 5475, 5476 und 5478 liegen außerdem Einzelanalysen für ? PAK, MKW sowie EOX vor. Die Gehalte liefern keine Hinweise auf Überschreitungen der einschlägigen Prüfwerte der BBodSchV für den Wirkungspfad Boden – Mensch zur Beurteilung einer standortverträglichen Nutzung der Sportanlagen.

Die Ergebnisse aus dem Bohrgut der darunter liegenden Tiefenbereiche belegen vor allem erhöhte Schwermetallgehalte von Blei und Zink (Grammbereich). Untersuchungen auf organische Schadstoffe zeigten PAK-Belastungen bis 100 mg/kg sowie EOX-Gehalte bis ca. 30 mg/kg.

MKW, PCB, Chlorbenzole und Chlorphenole wurden nicht festgestellt.

 

Bodenuntersuchungen 1984 / Anorganik

Parameter

Anzahl
Proben

Maximalgehalt
(mg/kg)

Probe aus
Messstelle

Arsen

16

50

 

Blei

16

5.300

 

Cadmium

16

35

 

Chrom

16

700

 

Quecksilber

16

0,7

 

Nickel

16

100

 

Eisen

16

120.000

 

Kobalt

16

35

 

Kupfer

16

600

 

Mangan

16

800

 

Zink

16

8.000

 

 

Bodenuntersuchungen 1984 / Organik

 

Parameter

Anzahl
Proben

Maximalgehalt
(mg/kg)

org. Extrakt

20

21.600

PAK

24

107

Mineralöl

24

888

EOX

24

32

PCB's

6

5,6

? Chlorbenzole

6

n.n.

? Chlorphenole

6

n.n.

? HCH

6

0,042

n.n. nicht nachweisbar

 

 

 

Wasser

 

Siehe Antwort zu Ziffer 6.

Dort werden die durch die abgelagerten Stoffe hervorgerufenen Belastungen des Grundwassers sowie die zur Beurteilung heranzuziehenden Prüf- und Schwellenwerte erläutert.

 

 

d.    Wenn Probebohrungen durchgeführt wurden, wie viele, mit welcher Tiefe und wo genau wurden diese durchgeführt? (Bitte Bohrkarte der jeweiligen Untersuchungen beifügen)

 

Im Januar 1997 wurden zur Festlegung von Messstellenstandorten insgesamt 7 Sondierbohrungen zwischen 13 m und 23 m Tiefe durchgeführt.

 

Lageplan Sondierbohrungen 1997, s. Anlage 3

 

e.    Wurden auch Untersuchungen bzgl. der Langzeitauswirkungen der austretenden Deponiegase auf die im Umfeld lebenden und die auf der Fläche Sport treibenden Menschen durchgeführt?

Nein.

 

f.     Direkt neben der Deponiefläche befindet sich eine Schule. Wie wurde sichergestellt, dass das Gelände der Schule nicht kontaminiert ist?

Der Bereich der Schulgebäude liegt weitestgehend außerhalb der mit sauberem Material abgedeckten ehemaligen Deponiefläche.

Entsprechend der Nutzung durch einen Sportverein und eine Schule wurde die Deponie abgedeckt und versiegelt. Durch die Abdeckung (Mutterboden mit Grasnarbe, Asphalt, Pflaster, Grand Belag etc.) ist der direkte Kontakt mit dem Ablagerungsmaterial nicht möglich, eine Gefährdung durch den direkten Kontakt kann daher ausgeschlossen werden. Für die Schüler und der dort Beschäftigten bestehen daher keine Kontaktmöglichkeiten zu dem kontaminierten Material. Eine Untersuchung des Oberbodens gemäß BBodSchV ist daher nicht erforderlich.

 

4.      Deponiegase:

a.     In der Drucksache 20/5736 hat der Senat die Messwerte für Methan (CH4), Kohlendioxid (CO2) und Sauerstoff (O2) des Deponiegases angegeben. Zu ggf. anderen toxischen Bestandteilen, die bei Deponiegasen auch als Spurenstoffe beschrieben werden, wurden keine Angaben gemacht.
Welche toxischen Bestandteile wurden bei den Messungen der Deponiegase noch gefunden?

 

BTEX-Aromaten weisen Konzentrationen in einer Größenordnung von bis zu 3 mg/m³ auf (Benzol bis 2,6 mg/m³).

Die FCKW- und LCKW-Konzentrationen weisen typische Verhältnisse für Spurengaszusammensetzungen älterer Deponien auf, wobei die Mehrzahl der Einzelstoffe unterhalb der Nachweisgrenze liegt. Vinylchlorid weist mit 18,9 mg/m³ eine hohe Konzentration auf und liegt damit im oberen Bereich der für ältere Deponien bekannten Gehalte.

 

b.     Welche Grenzwerte für die Deponiegase sind zulässig? (Bitte die Grenzwerte in Bezug Methan, Kohlendioxid, Sauerstoff und sämtliche toxischen Spurenstoffe angeben)

 

Im Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) gibt es für Deponiegase und die darin enthaltenen Spurenstoffe keine Grenzwerte.

 

Methan ist ein ungiftiges, brennbares Gas. Mit einem Volumenanteil zwischen 4,4 und 16,5 Prozent in der Luft bildet es explosive Gemische bzw. gefährliche explosionsfähige Atmosphären.

 

c.     Welche Auswirkungen können solche Deponiegase für Menschen und insbesondere Kinder der angrenzenden Schule haben?

Beim Eindringen von Bodenluft in Gebäude durch Fugen oder Risse kann eine Gefahr für die Gesundheit oder die Sicherheit von Bewohnern oder Anwohnern resultieren.

Eine Gefährdung durch Kohlendioxid und Methan kann insbesondere in engen, schlecht belüfteten Räumen (Schächte, Kriechkeller, Kellerräume) entstehen.

Bisher wurden keine Deponiegase in den Kriechkellern unter den Klassenräumen, in der Pausenhalle, sowie in den Räumen der Biologie, Chemie, Physik, Kunst und Musik des Schulgebäudes festgestellt.

 

Für den Aufenthalt im Freien stellt die Gasbildung keine Gefahr dar.

 

d.     Besteht auf dem Gelände aufgrund der Gase an irgendeiner Stelle Explosionsgefahr?

 

Nein.

Die baulichen Anlagen wurden erstmalig 1985 und werden seit 1999 regelmäßig von der BSU durch Messungen überwacht. Der Gashaushalt der Deponie wird seit 1997 regelmäßig überwacht.

In Folge der noch lang anhaltenden Verrottungsprozesse sind auch weiterhin erhebliche Geländesetzungen zu erwarten. Daher ist langfristig die Überwachung der baulichen Anlagen sowie des Gashaushaltes erforderlich. Durch die Überwachung sollen Gefahren frühzeitig erkannt werden.

 

 

5.      Entgasung:

a.     Wurde zu irgendeiner Zeit eine Entgasungsanlage betrieben?

Nein.

b.     Wenn ja, wann und wie lange?

c.     Ist die Entgasungsanlage noch im Betrieb?

d.     Wenn nein, warum nicht mehr?

 

Entfällt.

 

6.      Grundwasser:

Vorbemerkungen

Durch die jahrzehntelange Verfüllung der ehemaligen Tongrube in den 1940er – 1960er Jahren mit Haus-, Gewerbe- und Industrieabfällen ist es zu einem Schadstoffeintrag in das Grundwasser gekommen, das vor allem mit organischen Schadstoffen belastet ist.

 

Das Grundwasser innerhalb der Deponiefläche und im Abstrom wird seit vielen Jahren kontinuierlich überwacht. Die Analysenergebnisse belegen, dass die Schadstoffe auch fast 50 Jahre nach Schließung der Deponie weitestgehend stationär auf den Bereich der Deponie beschränkt sind. Die Messstellen im Abstrom der Deponie (9231, 9232 u. 8472) zeigen bislang keine Auffälligkeiten. Eine Verlagerung mit dem Grundwasserabstrom hat bislang kaum stattgefunden.

 

Sollten sich im Rahmen der Überwachung Erkenntnisse über eine Verschlechterung der GW-Qualität (Ansteigen der Schadstoffgehalte im Deponieabstrom) ergeben, müsste über die Durchführung von Sanierungs- und/oder Sicherungsmaßnahmen nachgedacht werden.

 

a.     Wurde das Grundwasser untersucht, ggf. wann?

Die Grundwasserbeschaffenheit im Bereich der Altablagerung und im Abstrom der Deponie (Messstellen 9231, 9232 u. 8472) wird seit Mitte der 1980er Jahre regelmäßig überwacht. Die letzte Beprobung fand im September 2011 statt. Zurzeit werden die Messstellen zweijährlich beprobt. Folgende Beprobungskampagnen wurden bislang durchgeführt:

9/84, 3/86, 4/87, 11/88, 3/91, 10/92, 6/93, 11/94, 8/95, 4/97, 7/01, 10 u. 11/02, 6/03, 6/04, 4/05, 6/06, 5/07, 4/08, 8/09, 8/10, 9/11.

Lageplan Grundwassermessstellen s. Anlage 4

 

b.     Welche Ergebnisse wurden jeweils festgestellt ?

Aufgrund der Menge der Analysenergebnisse werden in der nachfolgenden Tabelle nur die Ergebnisse dargestellt, die die Prüfwerte der BBodSchV (Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung) sowie die Geringfügigkeitsschwellenwerte der LAWA (Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser) überschreiten.

 

Auffällige Analysenergebnisse der Beprobungen s. Anlage 5

 

Neben den Ergebnissen der aktuellsten Beprobung aus dem September 2011 sind auch die jeweiligen Maximalbelastungen und die Mittelwerte aller bisherigen Beprobungen aufgelistet.

In den Messstellen innerhalb der Deponiefläche werden die Prüf- und Schwellenwerte für die meisten Summenparameter sowie Arsen um das bis zu 10-fache überschritten (? BTEX, ? LCKW, ? PAK, ? Chlorbenzole). Lediglich Einzelstoffe (Benzol, Vinylchlorid) überschreiten die Prüf- und Schwellenwerte punktuell höher.

 

 

 

 

7.      Verunreinigung der Gewässer in der näheren Umgebung:

a.    Wurden die angrenzenden Gewässer (Strandbad Farmsen, die Osterbek und der Stölpchensee) auf chemische Verunreinigungen untersucht?

Nein.

b.    Wenn ja, was wurde wann untersucht und mit welchem Ergebnis (Bitte gefunden Stoffe und zulässige Grenzwerte angeben)?

Entfällt.

c.     Wenn nein, warum nicht?

              Ein eventueller Eintragsweg von Schadstoffen aus der Deponie kann nur über das                               Grundwasser erfolgen und gehört daher in die Zuständigkeit der BSU. Von Seiten des               Bezirksamtes, als Oberflächengewässer zuständige Wasserbehörde, gab es daher keine               Veranlassung für Untersuchungen in Oberflächengewässern. Zudem sind dem BA                             Wandsbek für die Deponie Neusurenland keine Auffälligkeiten bei                                                         Grundwasseruntersuchungen bekannt, die neue Untersuchungen rechtfertigen würden.

 

8.      Umweltbehörde:

a.     Gab es kürzlich oder in der Vergangenheit Stellungnahmen der Umweltbehörde zur angedachten Bebauung und zur sportlichen Nutzung der Fläche?

b.      Wenn ja, welche? (Bitte die Stellungnahmen beifügen)

Nein.

 

Eine Wohnnutzung ist bei den gegebenen Verhältnissen nicht möglich.

Aus Sicht der Gefahrenabwehr ist eine Sportnutzung unter Berücksichtigung der Setzungsproblematik möglich.

 

Aufgrund der Höhe der geschätzten Herrichtungskosten für die Fläche (max. 39 Mio. €)

erfolgte keine Stellungnahme der BSU zur Folgenutzung der Fläche. Eine Komplettentnahme der Altablagerung ist aus ökologischer und ökonomischer Sicht unverhältnismäßig.

 

9.      Schulbetrieb:

a.    Wurde seit Inbetriebnahme zu irgendeiner Zeit in Erwägung gezogen den Schulbetrieb aufgrund der angrenzenden Deponie einzustellen?

 

Nein, siehe auch Antwort zu Frage 3 f.


 


 


 


 

Anlage/n:

Anlage 1

Anlage 2

Anlage 3, Lageplan Sondierbohrungen

Anlage 4, Lageplan Grundwassermessstellen

Anlage 5, auffällige Analysenergebnisse