Bezirksversammlung Wandsbek

Drucksache - 18/0168  

 
 
Betreff: Debattenantrag:
Entfernung des Schildes \"Johann-Körner-Stieg\"
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Federführend:Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Wandsbek
08.05.2008 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek ungeändert beschlossen   

Sachverhalt

Freie und Hansestadt Hamburg

Bezirksamt Wandsbek

Bezirksversammlung

 

              Drucksachen-Nr. 18/0168

              02.05.2008


 

Antrag

der Grüne/GAL-Fraktion


Olaf Duge (Grüne/GAL) und Fraktion


 

Beratungsfolge

Status

am

TOP

Bezirksversammlung

öffentlich

08.05.2008

5.13

 


!Titel!


Debattenantrag:

Entfernung des Schildes „Johann-Körner-Stieg“


!Titel!


 


 


 

Sachverhalt/Fragen

 


Am 10. April 2008 wurde (lt. Berichterstattung im Heimat-Echo vom 17. April) zurückgehend auf eine Initiative der Vereinigung Duvenstedt eine Tafel zur Erinnerung und Ehrung des ehemaligen Duvenstetder Lehrers und Heimatforschers Johann Körner (10.11.1880 – 1971) am Fußweg zwischen Duvenstedter Markt und Trilluper Weg eingeweiht. Anwesend waren dabei nicht nur die Vertreter der Vereinigung Duvenstedt, sondern u.a. auch der Wegewart, zwei Stadtteilpolizisten, die stellvertretende Schulleiterin und einige Schüler als Abordnung der Grundschule (Heimat-Echo vom 17.4.08/Foto).
Der „Markt“ vom 30.4.08 zitiert ein Mitglied der Vereinigung Duvenstedt, die auch die Finanzierung des Schildes in Höhe von 290 € übernommen hat „Ein besonderer Anlass, Herrn Körner zu ehren, ist, dass wir ja in Kürze das 750. Jubiläum feiern“.
Vorgeschichte ist allerdings, dass der Ortsausschuss Walddörfer das Ansinnen der Vereinigung Duvenstedt (Schreiben vom 08.05.2007, behandelt im OA-Walddörfer am 21.06.2007 und am 09.7.2007), den Weg nach Johann Körner zu benennen, nicht beschieden hat.  
Alle Fraktionen im OA-Walddörfer waren sich nach Prüfung der Unterlagen insbesondere der Entnazifizierungsakte von Johann Körner (Staatsarchiv, Ed 2611) darin einig, einer solchen Namensgebung nicht zuzustimmen. Stattdessen wurde der Vereini-gung Duvenstedt angeraten ihren Antrag zurückzuziehen. Dies geschah dann auch, so dass das Thema auf der Sitzung des OA am 27.09.07 nicht mehr behandelt wurde.
Nun ist offensichtlich unter Umgehung einer offiziellen Prüfung von Straßen- und Wegebenennungen das Schild auf einer Fläche der Schulbehörde aufgestellt worden. Welche Behörden daran beteiligt waren ist nicht klar.
Besonders bemerkenswert ist, dass Johann Körner offenbar aufgrund seiner nationalsozialistischen Vergangenheit mit Schreiben vom 1.9.1945 von der Gemeindeverwaltung Hamburg/Schulver-waltung  mit Unterschrift des Senators mit sofortiger Wirkung in den Ruhestand versetzt wurde. Ihm wurde zugleich untersagt, jede mittelbare oder unmittelbare Tätigkeit im bisherigen Amte oder einem anderen Amte der deutschen Verwaltung auszuüben.
Laut Entnazifierzierungsakte (ausgefüllt am 11.6.45) war Johann Körner seit 1.5.37 Mitglied der NSDAP, seit 1.5.1933 Mitglied im NS-Lehrerbund und seit 1.5.1934 Mitglied in der NS-Volkswohlfahrt. Ab 1937 bekleidete er das Amt eines Blockwartes.
Aufgrund dieser Angaben ist erkennbar, dass Johann Körner aktiv nationalsozialistisches Gedankengut vertreten und das Unrechts-system unterstützt haben muss. Eine Ehrung wie z.B. durch die Aufstellung eines Schildes ist deshalb unvertretbar.

 

 

 


 

Beschlussvorschlag

 


Die Bezirksversammlung Wandsbek fordert die zuständigen Behörden auf, das auf öffentlichem Grunde errichtete Schild mit der Aufschrift “Johann-Körner-Stieg“ in Duvenstedt aufgrund dessen nationalsozialistischer Vergangenheit unverzüglich entfernen zu lassen.
 


 

 

             


 

 

Anlage/n:

ohne Anlagen