Bezirksversammlung Wandsbek

Drucksache - 18/0809  

 
 
Betreff: Neue Räume für den Frauen- und Mädchentreff Hohenhorst
Status:öffentlichDrucksache-Art:Anfrage gem. § 24 BezVG (Große Anfrage)
Federführend:Dezernat Soziales, Jugend und Gesundheit   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Wandsbek
02.10.2008 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek ungeändert beschlossen   
Bezirksversammlung Wandsbek
06.11.2008 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek ungeändert beschlossen   

Sachverhalt

Freie und Hansestadt Hamburg

Bezirksamt Wandsbek

Bezirksversammlung

 

              Drucksachen-Nr. 18/0809

              25.09.2008


 

Große Anfrage

der SPD-Fraktion

gem. § 24 Bezirksverwaltungsgesetz


der Mitglieder der Bezirksversammlung Michael Ludwig-Kircher, Thomas Ritzenhoff, Anja Quast,
Uwe Lohmann, Eva-Marie Rake (SPD) und Fraktion


 

Beratungsfolge

am

TOP

Bezirksversammlung

02.10.2008

9.2

Bezirksversammlung

06.11.2008

11.8

 


!Titel!


Neue Räume für den Frauen- und Mädchentreff Hohenhorst


!Titel!


 


 


 

Sachverhalt/Fragen

 


Der Frauen- und Mädchentreff Hohenhorst ist seit 22 Jahren in einer 70 m² kleinen Mietwohnung der SAGA untergebracht. Die Nachfrage nach diesem offenen und auch niedrigschwelligen Beratungstreffpunkt für alleinerziehende Frauen und deren Kinder und Mädchen dieses Quartiers hat sich proportional zum Angebot innerhalb der vergangenen Jahre erheblich vergrößert. Besonders die Gewaltproblematik und die Suche nach geschütztem Raum haben deutlich zugenommen.

Die pädagogische Arbeit wird durch die Raumsituation nachteilig beeinflusst. Das Ziel, dass Frauen und Mädchen sich ungestört über ihre  Lebenssituation austauschen können, ist nicht zu verwirklichen und die Bewegungsfreiheit der Kinder wird stark eingeschränkt. Eine Förderung und Stärkung der Erziehungskompetenz der hilfesuchenden Frauen ist unter diesen Umständen kaum leistbar.

Der Frauen- und Mädchentreff versteht sich auch als Schutzraum. Eine vorübergehende in Obhutnahme bei Gewaltdelikten ist durch die räumliche Enge jedoch nicht zu realisieren; Hilfesuchende müssen sogar abgewiesen werden.

Ab dem ersten November 2008 besteht für den Frauen- und Mädchentreff die Möglichkeit, in die frei werdenden Räume des Mietertreffs in unmittelbarer Nachbarschaft einzuziehen. Hiermit könnte sowohl den gestiegenen Anforderungen der Einrichtung an die Raumsituation, als auch den individuellen Problemen der ratsuchenden Frauen Rechnung getragen werden. Zudem bliebe der bekannte und bewährte Standort erhalten.

Nach Angaben der Mitarbeiterinnen der Einrichtung wurden diese Pläne von Seiten des Bezirksamtes zunächst begrüßt, später jedoch wieder verworfen, da jetzt angestrebt würde, den Frauen- und Mädchentreff Hohenhorst in dem neu zu schaffenden Community Center zu integrieren. Die Einrichtung lehnt dieses Vorhaben jedoch aus inhaltlichen Gründen ab. 80 Prozent der Besucherinnen haben einen Migrationshintergrund. Ihnen ist aus religiösen oder traditionellen Gegebenheiten heraus der Aufenthalt in öffentlichen Räumen nicht gestattet. Daher wäre die Arbeit mit anderen Einrichtungen in einem Haus sehr schwierig.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Bezirksamtsleitung:

 

Wie beurteilt die Bezirksamtsleitung die derzeitige räumliche Situation des Frauen- und Mädchentreffs Hohenhorst?

Welche Erkenntnisse hat die Bezirksamtsleitung über die gestiegene Inanspruchnahme der Einrichtung?

Sind der Bezirksamtsleitung Probleme der Einrichtung bekannt, die sich aus der beengten Raumsituation ergeben?

Gibt es Überlegungen, den Frauen- und Mädchentreff Hohenhorst zu vergrößern?

Wenn ja, wie sehen diese aus?

Trifft es zu, dass die Bezirksamtsleitung die Pläne des Frauen- und Mädchentreffs, in frei werdende Räume des Mietertreffs umzuziehen, zunächst unterstützt hat?

Falls ja, wann und warum hat die Bezirksamtsleitung seine Haltung geändert?

Trifft es zu, dass die Bezirksamtsleitung dem Frauen- und Mädchentreff Hohenhorst nahe gelegt hat, in das neu zu schaffende Community-Center einzuziehen?

a)              Falls ja, wie beurteilt die Bezirksamtsleitung die konzeptionell bedingten Schwierigkeiten               die die Einrichtung bei einer Integration in ein öffentlich genutztes Haus befürchtet?

b)              Welchen zeitlichen Rahmen sieht die Bezirksamtsleitung für einen möglichen Umzug der               Einrichtung in das geplante Community Center?

Welche Eigentumsverhältnisse bestehen in Bezug auf den Mietertreff, bezogen auf

a)              das Gebäude?

b)              das Grundstück?

Welcher Kostenaufwandsunterschied für die Mietausgaben ergäbe sich im Vergleich der jetzigen Räume der Beratungsstelle und den Räumen des Mietertreffs?

Welche Möglichkeiten sieht die Bezirksamtsleitung zurzeit, einen Umzug des Frauen- und Mädchentreffs Hohenhorst in die Räume der Mieterinitiative zu realisieren?

Welche Möglichkeiten hat die Bezirksamtsleitung, einen Umzug des Treffs in die Räume des Mietertreffs zu forcieren, z.B. durch Aufnahme von Gesprächen mit der SAGA? Wird die Bezirksamtsleitung diese Möglichkeiten nutzen?

 

 

 

Die Bezirksamtsleitung antwortet wie folgt:                                                                                     14.10.2008

 

Zu 1.

Dem Frauen- und Mädchentreff Hohenhorst des Jugendhilfeträgers Verein Jugendarbeit in Rahlstedt e.V. steht eine 74 m² Wohnung in der der Grunewaldstr. 76 zur Verfügung. Darin sind enthalten zwei Gruppenräume 20 qm² / 15qm² sowie Küche, Bad und Flur und ein nutzbarer Außenbereich.

Für Beratungsgespräche und Gruppenangebote sind die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten ausreichend. Es mangelt an Räumlichkeiten für den offenen Bereich.

 

Zu 2.

Der gewachsene Nutzungsbedarf wird durch die Raumkapazitäten eingeschränkt. Die Einrichtung wird an offenen Nachmittagen von bis zu 30 Personen (Müttern mit Kindern) genutzt.

Zu 3.

Ja, insbesondere durch ein Schreiben des Trägers vom 20. 8. 2007.

 

Zu 4.

Der Träger hat sich ab Mitte 2007 darum bemüht, von der SAGA eine Nachbarwohnung anzumieten und diese für offene Angebote sowie als Spielwohnung zu nutzen. Da bisher keine entsprechend günstig gelegene Wohnung frei wurde, hatte die SAGA dem Träger im Juni 2008 das Gebäude des Mietertreffs zur Nutzung angeboten.

 

Zu 5.

Das Bezirksamt wurde in die Frage einer möglichen Nachnutzung des Mietertreffs einbezogen und sieht darin eine mögliche Alternative zur Lösung des Raumproblems. Um allerdings die Räume des Mietertreffs für eine wunschgemäße Nutzung durch den Frauen- und Mädchentreff herzurichten, würden Kosten für einen Umbau des Gebäudes entstehen. Diese wurden von der SAGA überschlägig auf ca. 200.000 € geschätzt. Die Finanzierung dieser Investition ist ungeklärt.  Mittel dafür müssten im Rahmen des Investitionshaushaltes der Familienförderung (mind. 50 %) und dann ggf. subsidiär in der Stadterneuerung (max. 50 %) eingeworben werden.

Die Lösung des Raumproblems des Frauen- und Mädchentreffs ist nicht isoliert, sondern im Gesamtzusammenhang mit den Planungen der Aktiven Stadtentwicklung für das Quartier Hohenhorst zu sehen. Für das zentrale Projekt des Community-Center Hohenhorst wurde im September unter Beteiligung der Hohenhorster Einrichungen und Institutionen mit der Konzeptentwicklung begonnen, deren Ergebnis im März 2009 vorliegen soll.

 

Zu 6 a)

Der Prozess der Konzeptentwicklung für das Community-Center wird ergebnisoffen gestaltet und dadurch befördert, dass keine Einzelentscheidungen vorweggenommen werden.

Sinnvollerweise sollen in der Konzeptentwicklung zunächst die inhaltliche Vorstellungen zum geplanten Communtiy-Center geklärt werden, bevor über Standortfragen entschieden wird. Als Basis für die angestrebte Kooperation von Angeboten bzw. Einrichtungen im Community-Center wird die freiwillige Bereitschaft eines jeden Trägers vorausgesetzt.

Der Verein Jugendarbeit Rahlstedt e. V. beteiligt sich am Prozess der Konzeptentwicklung und wird seine Vorstellungen und ggf. Vorbehalte in das weitere Verfahren einbringen.

 

Zu 6 b)

Die Errichtung des Community-Centers ist derzeit voraussichtlich ab 2011 geplant, dies hängt aber von der Entwicklung der anderen pilotierten Community-Center in Hamburg und den insgesamt dafür im Hamburger Haushalt zur Verfügung stehenden Mitteln ab; je nach Projektstand sind Verschiebungen möglich. Zur Frage der Integration des Frauen- und Mädchentreffs in das Communty-Center ist das Ergebnis der beteiligungsorientierten Konzeptentwicklung abzuwarten.

 

Zu 7.

Das Grundstück ist Eigentum der SAGA. Der Mieterverein hat die Nutzung des Grundstücks gekündigt und damit die vertragsgemäße Pflicht, sein Vereinshaus auf eigene Kosten vom Grundstück der SAGA zu entfernen.

 

 

 

Zu 8.

Sofern die einmaligen Investitionskosten von der Stadt getragen werden (siehe Antwort auf Frage 5), ist die SAGA bereit, das Vereinshaus vom Mieterverein in ihr Eigentum zu übernehmen und zu den gleichen Mietkonditionen zu vermieten, die aktuell für das jetzige Mietobjekt gezahlt werden. Laut aktuellem Zuwendungsantrag des Trägers handelt es sich dabei um 6.840,00 € für 2009. Sofern die SAGA die Investitionskosten oder einen Teil der Investitionskosten trägt, würde sich dies auf den Mietzins auswirken.

 

Zu 9.

Siehe Antworten zu 5. und 6.

 

Zu 10.

Das Bezirksamt wird das Ergebnis der beteiligungsorientierten Konzeptentwicklung zum Community-Center abwarten und im März 2009 über das weitere Verfahren beraten. Über die Prioritäten für die Mittelverwendung im Investitionshaushalt der Familienförderung - also hier über die Bereitstellung der erforderlichen Investitionsmittel - muss der Jugendhilfeausschuss zu gegebener Zeit entscheiden.


 


 


 


 

 

Anlage/n:

ohne Anlagen