Bezirksversammlung Wandsbek

Drucksache - 18/3953  

 
 
Betreff: Alkohol an Schulen
Status:öffentlichDrucksache-Art:Anfrage gem. § 27 BezVG
Federführend:Dezernat Soziales, Jugend und Gesundheit   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Wandsbek
25.03.2010 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek ungeändert beschlossen   
Bezirksversammlung Wandsbek
29.04.2010 
Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek ungeändert beschlossen   

Sachverhalt

Freie und Hansestadt Hamburg

Bezirksamt Wandsbek

Bezirksversammlung

 

Az.               Drucksachen-Nr. 18/3953

              18.03.2010


 

Anfrage

gem. § 27 Bezirksverwaltungsgesetz

- öffentlich -


              der Mitglieder der Bezirksversammlung

Michael Ludwig-Kircher, Regina Jäck, Uwe Lohmann,

      Claudia Simon, Jürgen Warncke, Carsten Heeder (SPD) und Fraktion vom 18.03.2010             


 

Beratungsfolge

am

Top

Bezirksversammlung

25.03.2010

14.2

Bezirksversammlung

29.04.2010

13.2

 


!Titel!


Alkohol an Schulen


!Titel!


 


 


Sachverhalt/Fragen

 


In Hamburg wurden in einem Jahr 20% mehr Fälle von Alkoholmissbrauch durch Jugendliche registriert. Die Zahl der Jugendlichen, die sich ins Koma trinken nimmt weiter zu. Nach Angabe des statistischen Bundesamtes landeten 2008 insgesamt 25.700 Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftungen in Krankenhäusern, davon 4500 im Alter von 10 – 15 Jahren. Damit hat sich die Zahl der Jugendlichen bis 20 Jahre, die mit einer Alkoholvergiftung klinisch behandelt werden mussten, seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt.

 

Auch in Hamburg wurde ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr registriert. Damit hat sich die Alkoholproblematik bei Jugendlichen deutlich verschärft. Das betrifft neben Jungen mittlerweile auch immer mehr Mädchen. Diese Entwicklung beschränkt sich naturgemäß nicht nur auf den privaten Freizeitbereich, sonder reicht mittlerweile auch in das schulische Leben hinein.

  

Vor diesem Hintergrund fragen wir die zuständige Fachbehörde:

 

 

Die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) antwortet wie folgt:                                              13.04.10

 

 

Welche Daten und Erkenntnisse sind der Behörde zum missbräuchlichen Gebrauch von Alkohol durch minderjährige Mädchen und Jungen im Bezirk Wandsbek bekannt? Sind auch Vorgänge hinsichtlich Alkoholmissbrauchs an Wandsbeker Schulen bekannt?

 

Das Büro für Suchtprävention der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. hat seit 2004 im zurückliegenden Jahr nunmehr zum vierten Mal die sogenannten „Schüler und Lehrerbefragungen zum Umgang mit Suchtmitteln (SCHULBUS)“ durchgeführt. Mit diesen Erhebungen liegen aktuell repräsentative Daten u.a. zum Alkoholkonsumverhalten 14? bis 18?Jähriger in Hamburg vor.

 

Aufgrund der Art der Stichprobenziehung kann zwar für das gesamte Stadtgebiet Hamburg sichergestellt werden, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen dieser Altersgruppe gemäß der amtlichen Schul? und Bevölkerungsstatistik in der Gesamtstichprobe repräsentativ vertreten sind. Mit Blick auf die einzelnen Bezirke können jedoch zufallsbedingt Verzerrungen auftreten, da die Stichprobenziehung nicht bezirksorientiert erfolgt. Dies gilt es bei der vergleichenden Interpretation der Daten für Wandsbek mit jenen für das übrige Stadtgebiet zu berücksichtigen. Um einen Vergleich der Prävalenz-Zahlen für den Bezirk Wandsbek mit denen der Gesamtstichprobe auf eine hinreichend große Zahl der Befragten stützen zu können, wurden in der Übersichtstabelle zu den Erfahrungen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Umgang mit Alkohol die entsprechenden Daten der zeitlich eng aufeinander folgenden Erhebungen 2004 und 2005 sowie die der Befragungen aus Ende 2007/Anfang 2008 und 2009 jeweils zusammengefasst.[1]  Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass es keine statistisch signifikanten Unterschiede im Konsumverhalten der Wandsbeker Jugendlichen zu den Altersgenossinnen und -genossen in den übrigen Bezirken gibt. Insofern sind die Erkenntnisse, die auf der Basis der Gesamtstichprobe beruhen, durchaus auf den Bezirk Wandsbek übertragbar.

 

Tabelle: Erfahrungen im Umgang mit Alkohol der 14- bis 18-Jährigen in Hamburg

SCHULBUS-Erhebung 2007/08 und 2009 (in Klammern Ergebnisse von 2004 und 2005)

 

Angaben in %

 

Wandsbek

 

übrige Bezirke

 

Lebenszeit-Prävalenz

86,6 (89,9)

85,0 (85,9)

30-Tage-Prävalenz

62,2 (67,9)

59,2 (63,0)

Rauscherfahrung im Leben

42,0 (nicht erhoben)

45,3 (nicht erhoben)

Rauscherfahrung in den letzten 30 Tagen

27,0 (nicht erhoben)

27,3 (nicht erhoben)

Erstkonsum mit 13 Jahren oder früher

48,3 (57,3)

46,5 (51,5)

Einstieg in den regelm. Konsum mit 13 Jahren oder früher

6,2 (nicht erhoben)

5,3 (nicht erhoben)

erste Trunkenheitserfahrung mit 13 Jahren oder früher

10,7 (nicht erhoben)

9,9 (nicht erhoben)

Quelle: Büro für Suchtprävention, Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V.

 

In Schuljahr 2008/09 und 2009/10 sind bisher an Wandsbeker Schulen insgesamt 18 Fälle von Alkoholmissbrauch bekannt geworden.

 


[1]  Eine für jede Erhebungswelle, jedoch nicht nach Bezirken, sondern für das Gesamtgebiet Hamburgs differenzierte Darstellung der Ergebnisse steht als PDF-Datei auf der Homepage der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen (www.suchthh.de ) zur Verfügung.


 

 

Gibt es Anzeichen, Daten, Zahlen und Erkenntnisse, die auf eine alkoholproblematische Entwicklung mit steigender Tendenz („Komasaufen“) in Wandsbek insgesamt hinweisen und gibt es Statistiken über diese Entwicklung?

 

Siehe Antwort zu 1.

 

Neben der SCHULBUS-Erhebung gibt es für den Bezirk Wandsbek keine weiteren empirischen Erhebungen zur Entwicklung des Alkoholmissbrauchs unter Wandsbeker Schülerinnen und Schülern.

 

 

Gab es Jugendliche, die nach Alkoholmissbrauch in eine Klinik eingeliefert werden mussten? Wenn ja, wie viele und welche Schulen waren betroffen?

 

Ja.

 

Nach Alkoholmissbrauch an einer Wandsbeker Schule sind im genannten Zeitraum drei Schülerinnen und Schüler in eine Klinik eingeliefert worden. Von einer Nennung der Namen der einzelnen Schulen wird aus datenschutzrechtlichen Erwägungen Abstand genommen, um einen Rückschluss auf die Identität einzelner Personen zu vermeiden.

 

 

Kann aus der Datenlage geschlossen werden, dass es bei Schülerinnen und Schülern an Wandsbeker Schulen diesbezüglich Probleme gibt?

 

Siehe Antworten zu 1. und 2.

 

 

Gibt es an Wandsbeker Schulen besondere Regeln, Vereinbarungen, Richtlinien, Vorgaben oder sogar Dienstanweisungen bezüglich des Umgangs mit alkoholischen Getränken insbesondere auf Klassen- und oder auf Abschlussfahrten? Wenn ja, welche, wenn nein, warum nicht?

 

Neben den Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes gelten für alle Schulen die Bestimmungen des § 31 Abs. 3 des Hamburgischen Schulgesetzes (HmbSG). Danach ist das Mitführen von alkoholischen Getränken an Schulen und auf schulischen Veranstaltungen grundsätzlich untersagt. Ausnahmen vom Verbot alkoholischer Getränke bedürfen im Einzelfall der ausdrücklichen Genehmigung durch die Schulleitung. Ausnahmeregelungen gemäß § 31 Abs. 3 HmbSG sind grundsätzlich nur für Oberstufenschülerinnen und -schüler möglich.

 

16 weiterführende Wandsbeker Schulen haben im Rahmen der durch die Schulkonferenz beschlossenen Hausordnung zusätzlich ein absolutes Alkoholverbot ohne Ausnahmen ausgesprochen. Vor einer Klassenfahrt werden verbindliche Absprachen mit Eltern und Schülerinnen und Schülern getroffen, wie auf Verstöße gegen das Alkoholverbot reagiert wird. Einzelne Schulen informieren darüber mittels Merkblättern oder führen Stichprobenkontrollen des Gepäcks vor Klassenfahrten durch.

 

 

Gab es schulische Veranstaltungen, die wegen Alkoholmissbrauchs abgebrochen werden mussten oder wo vereinzelt Schülerinnen oder Schüler ausgeschlossen und nach Hause geschickt wurden? Wenn ja, um welche Veranstaltungen an welchen Schulen handelte es sich jeweils?

 

In fünf Fällen mussten auf schulischen Veranstaltungen Schülerinnen und Schüler nach Alkoholkonsum bzw. wegen Verstoß gegen das absolute Alkoholverbot nach Hause geschickt bzw. von der Veranstaltung ausgeschlossen werden. Es handelt sich um vier Vorfälle auf Klassenfahrten und einen Vorfall auf einer Abiturfeier.

 

Im Übrigen siehe Antwort zu 3. 

 

 

Welche präventiven Maßnahmen zur Problementschärfung werden in Wandsbeker Schulen ergriffen?

 

Als präventive Maßnahmen führen Wandsbeker Schulen u.a. regelmäßig schulinterne Lehrerfortbildungen, Elternabende zum Thema Alkohol, Projektwochen zur Suchtprävention, Unterrichtseinheiten, Projektunterricht, Klassenratsstunden, anlassbezogene Klassengespräche mit Suchtberatern, Aktionen auch unter Einbeziehung des SuchtPräventionsZentrums (SPZ) des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung sowie von Selbsthilfegruppen oder regionalen Suchtberatungsstellen durch. Bei Bedarf werden Eltern und Schülerinnen und Schüler zu Beratungsgesprächen in das SPZ und die regionale Suchtberatungsstelle vermittelt. Außerdem unterstützt das SPZ schulinterne Projektgruppen bei der Überarbeitung des schulischen Regelwerks hinsichtlich Alkoholmissbrauch. 

 

 

 

Wie viele offizielle Schulinformationsveranstaltungen gab es seitens der Behörde zum Thema Alkoholmissbrauch, an welchen Wandsbeker Schulen?

 

Im Schuljahr 2008/09 und 2009/10 hat das SPZ speziell zum Thema Alkoholmissbrauch insgesamt 27 Präventionsveranstaltungen mit Eltern, Schülerinnen und Schüler, sowie schulinterne Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte in Wandsbeker Gesamtschulen, Gymnasien, Haupt- und Realschulen, Beruflichen Schulen und Privatschulen durchgeführt.

 

Im Übrigen siehe Antwort zu 3.

 

 

Welche Art von Aktionen, Informationsveranstaltungen, Präventionsangeboten und Kampagnen werden und wurden an Wandsbeker Schule von wem wie oft durchgeführt bzw. angeboten?

 

Siehe Antworten zu 7. und 8.

 

Folgende Programme und Maßnahmen zur Vorbeugung riskanten Alkoholkonsums werden vom SPZ im Bereich Schule angeboten:

 

Selbstständig werden – Eigenständig bleiben“

Einführungstrainings zur Anwendung des suchtpräventiven Unterrichtsprogramms „Selbstständig werden – Eigenständig bleiben“ für die Sekundarstufe I mit Unterrichtsvorschlägen zum Thema Alkohol: „Alkohol. Irgendwann ist der Spaß vorbei“ sowie „Dem Alkohol die kalte Schulter zeigen“ und Verbreitung dieses Unterrichtsprogramms an Hamburger weiterführenden Regelschulen.

 

Persönlichkeitsförderungs-Programm (PeP) – Unterrichtsprogramm

Einführungstrainings für Lehrkräfte zur Anwendung des suchtpräventiven „PeP-Unterrichtsprogramms“ für Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf mit Unterrichtsvorschlägen und Informationen sowie mit einer „Lernwerkstatt“ zum Thema Alkohol und Verbreitung dieses Unterrichtprogramms an Hamburger Förderschulen, Hauptschulen und Berufsschulen mit Berufsvorbereitungsklassen.

 

Unterrichtshilfen

Unterrichtshilfen für die Nutzung der Wettbewerbsmaterialien „Alkohol. Irgendwann ist der Spaß vorbei“ im Fach Deutsch.

 

Drogenkundliche Bausteine für suchtpräventive Unterrichtsvorhaben/Projekte

Verbreitung des SPZ-Materialordners „Drogenkundliche Bausteine für suchtpräventive Unterrichtsvorhaben/Projekte“ mit einem Unterrichtsbaustein zum Thema Alkohol.

 

Aufklärungsmaterial zum Alkoholkonsum

Verbreitung der Aufklärungsmaterialien „Die Blaumacher“ für Jugendliche und „Alkohol – Reiz und Risiko“ für Eltern der DAK-Aktion „Glasklar“ an Hamburger Schulen.

 

Stationenparcours

Durchführung des suchtpräventiven Stationenparcours für Schulklassen mit speziellen Lernstationen zum Thema Alkohol und Anregungen für nichtalkoholische Getränke. Dieser Parcours wird seit 2004 vom SPZ in allen weiterführenden Schulformen durchgeführt.

 

Qualifikation von Schülerinnen und Schülern zu Multiplikatoren

Viertägige „Youth-to-youth“-Fortbildungen von Schülerinnen und Schülern zu Multiplikatoren in der Suchtvorbeugung auch in Bezug auf Alkoholkonsum.

 

Fortbildungen für Fachkräfte aus Schule und Jugendhilfe

Schulinterne Fortbildungsmodule für Lehrerkollegien zu Regeln und Interventionen mit einem Schwerpunkt Alkoholprävention „Hinschauen und Handeln“.

 

Seit 2005 jährliche Durchführung von mehrtägigen Seminaren für Schule und  Jugendhilfe zum Thema: „Rauchen, trinken und kiffen in der Kinder- und Jugendbetreuung – Was tun?“

 

Filmmaterial

Bereitstellung des Filmmaterials „Trinkende Kids“, Beratung für Lehrkräfte und Fachkräfte der Jugendhilfe hinsichtlich des Filmeinsatzes und Durchführung von Elternveranstaltungen mit diesem Film als Gesprächsanlass. Das SPZ wird das Thema weiterhin verstärkt z.B. im Rahmen von Elternabenden behandeln, um die Sorgeberechtigten für die Wahrnehmung ihrer Vorbildfunktion im Umgang mit Alkohol zu sensibilisieren.

 

Anlassbezogene Klassengespräche

Informations- und Reflexionsgespräche sowie anlassbezogene Klassengespräche mit Schulklassen nach Alkoholvorfällen in der Schule oder auf Klassenfahrten (Krisenintervention) mit anschließender Einzelberatung betroffener Schüler und Schülerinnen in der Schule.

 

Persönliche Einzelberatung

Betroffene Schülerinnen und Schüler und deren Bezugspersonen werden im SPZ beraten sowie bei Bedarf in spezialisierte Suchtberatung weitervermittelt.

 

 

Sind diese Maßnahmen regelmäßiger Bestandteil des Unterrichtes oder finden solche Maßnahmen eher sporadisch und nach Lage der Dinge statt?

 

Sind solche Maßnahmen festgeschriebener Inhalt des Lehrplanes? Wenn ja, wie lautet der Inhalt? Wenn nein, warum nicht?

 

Suchtprävention ist in den geltenden Bildungs- und Rahmenplänen für das schulische Aufgabengebiet Gesundheitsförderung als verbindliches Thema für den Unterricht in allen Schulstufen vorgegeben. Sie zielt auf die Förderung grundlegender Lebenskompetenzen (Life-Skills) wie die Wahrnehmung eigener Bedürfnisse oder den Umgang mit Problemsituationen ab, klärt über Risiken auch des Alkoholkonsums auf und gibt Anstöße zur kritischen Reflexion des Konsumverhaltens. Darüber hinaus werden für die Umsetzung keine inhaltlichen und methodischen Vorgaben in den Bildungs- und Rahmenplänen gemacht.

 

Zusätzlich finden in Wandsbeker Schulen regelmäßig diverse Aktionen und Veranstaltungen, (siehe oben) z.B. im Rahmen von Projektwochen zur Suchtprävention statt.